Es ist zwar nur ein "halbrunder" Geburtstag - aber immerhin bilden die 360 Jahre, die seit der Geburt Henry Purcells verstrichen sind, einen willkommenen Anlass für ein ausgiebiges musikalisches Gedenken. Nach dem "King Arthur" - im Theater an der Wien derzeit noch szenisch zu erleben - stand bei den diesjährigen "Resonanzen" am Abschlussabend gleich eine doppelte Purcell-Reminiszenz auf dem Programm: Der vorzeitige Tod des bereits zu Lebzeiten zur Legende avancierten "Orpheus britannicus" inspirierte seinen Landsmann Jeremiah Clarke zu einer groß angelegten "Ode to the death of Henry Purcell", die am Sonntag ihr Konzerthaus-Debüt erlebte. Wie in Monteverdis "Orfeo" wird hier fröhlicher Hirtengesang durch die Todesnachricht unterbrochen, woraufhin die Stimmung in ein tiefschwarzes Tongemälde inklusive verstörender Dissonanzen kippt.

Mit Purcells "Ode for Saint Cecilia’s Day" folgte der mannigfache Lobpreis der Schutzpatronin der Musik und ihres Stamminstruments, der Orgel, hier in Gestalt eines "Claviorganum" vertreten. Neben diesem Exoten bot das von Vincent Dumestre mit gemessenen Gesten geleitete Ensemble "Le Poème Harmonique" mit den großteils ausgezeichneten Solisten eine facettenreiche Interpretation.

Am meisten überzeugte das Vokalensemble Aedes, dessen mit Ausdrucksstärke und Präzision gepaarter, runder Ensembleklang begeisterten Applaus hervorrief. Zum Dank ließ Dumestre den Abend mit einer intimen Gänsehaut-Version von Purcells unvollendetem A-cappella-Satz "Hear my prayer, O Lord" - im wahrsten Sinne des Wortes - verklingen.