Die Erwartungen waren hoch, als am Sonntag das Finale der Australian Open begann. Rafael Nadal war durch die Vorrunden gegangen wie ein heißes Messer durch Butter; der spanische Tennisstar wähnte sich auf der Höhe seiner Kraft und Kunst. Und doch: Im Match gegen den Novak Djoković, den Weltranglisten-Primus, blitzte davon kaum etwas auf. Ein Knopf schien sich geschnürt zu haben und wollte nicht aufgehen. Der Spitzenathlet ging nach nur zwei Stunden geschlagen vom Platz.

Unter seinem Wert geschlagen

Ähnliches ist vom Gastspiel des Gewandhausorchesters Leipzig im Musikverein zu berichten. So viel Geschmeidigkeit, Schlagkraft und Feinmotorik der deutsche Klangkörper auch besitzt: Aus diesem Muskelspiel konnte er am Montag kein Kapital ziehen, jedenfalls nicht unter Andris Nelsons. Der lettische Chefdirigent versteht es, edle Klangflächen zu schichten (in Mendelssohn Bartholdys "Meeresstille und glückliche Fahrt"). Spannung ist unter seinen Händen aber ein flüchtiges Gut: Mit jedem Taktende scheint sie zu verpuffen und verabschiedet sich gänzlich, wenn Nelsons die Lautstärke drosselt oder, wie so oft, im niedrigen Tempobereich operiert. Schumanns Klavierkonzert verblasst so zum kultivierten Klingklang, wiewohl Hélène Grimaud gegen Ende (präzise) Kraft entfaltet. Und Schumanns Dritte, die "Rheinische" Symphonie, plätschert nach der Pause gediegen dahin, statt den Klangfluss der Partitur so recht auszukosten. Am Schluss dennoch Zuspruch für Nelsons, der 2020 übrigens das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigieren wird.