Aufgeteilt auf drei Abende mit drei unterschiedlichen Interpretenpaarungen stehen im Wiener Konzerthaus derzeit alle Sonaten für Violine und Klavier von Ludwig van Beethoven im Fokus. Den Anfang machten im Jänner Alina Ibragimova und Cédric Tiberghien. Isabelle Faust und Alexander Melnikov setzten am Mittwoch im Mozart-Saal fort. Auf dem Programm standen das so unterschiedliche Sonatenpaar Opus 23 und Opus 24 ("Frühlingssonate") sowie Opus 96, die letzte Sonate dieser zehn Meisterwerke.

Vor gut zehn Jahren erschien die viel gepriesene Gesamteinspielung der deutschen Geigerin und des russischen Pianisten. Faust und Melnikov sind Kammermusikpartner auf Augenhöhe. Ihre Interpretationen sind ausgeklügelte Dialoge, die sich durch ein Höchstmaß an Sprachlichkeit auszeichnen. Schon lange setzt sich Melnikov mit historischer Aufführungspraxis auseinander. Er fungierte an diesem Abend als Impulsgeber und Motor. Die wenigen Farben und Schattierungen kamen, wenn, dann vom Steinway.

Isabelle Faust ließ sich ziehen, reagierte meist. Nur im Finalsatz der G-Dur-Sonate blühte ihr beinahe vibratoloser Ton punktuell voll und süß auf. In diesen seltenen Momenten erfüllte warme Herzenergie den Saal, die diesem Vortragsabend sonst fehlte. Vor allem im ersten Konzertteil sprang der Funke so gar nicht über. Zu verhalten, zu blass, zu sehr im Kopf. Als wollten die beiden Beethovens Musik einfach nicht von der Leine lassen. Im April werden Carolin Widmann und Alexander Lonquich das Finalkonzert in Angriff nehmen.