Alain Altinoglu führte in Wien Prokofjews "Alexander Newskij" auf. - © belga/afp/Dirk Waem
Alain Altinoglu führte in Wien Prokofjews "Alexander Newskij" auf. - © belga/afp/Dirk Waem

Die letzte symphonische Dichtung Franz Liszts ist "Von der Wiege bis zum Grabe". Wie der Titel schon ankündigt, zeichnet sie das Leben in drei Phasen ab. Die Wiener Symphoniker unter Alain Altinoglu bilden diesen Lebensweg, der auch einen "Kampf ums Dasein" beinhaltet, in recht gemäßigten Klangbildern ab.

Im darauffolgenden Konzert für Klavier und Orchester (A-Dur) führt der Pianist Denis Matsuev diesen interpretatorischen Faden der Sittsamkeit weiter. Bei aller Virtuosität, mit der er die stetigen Läufe meistert, bleibt sein Spiel lieblich und ein wenig belanglos, selbst in den wuchtigen Passagen. Gleichzeitig wünscht man sich feinere Nuancen und mehr Differenzierung.

Ganz anderes dann in Prokofjews "Alexander Newskij", der Kantate für Mezzosopran (für die Altinoglu seine Frau Nora Gubisch mitgebracht hat), Chor und Orchester. Die Bühne ist prall gefüllt, um die Prokofjew’sche Bombastik umzusetzen. Das Werk wartet zudem mit vielen Elementen auf, die zusammengehalten werden wollen, was Altinoglu über weite Strecken gelingt, manchmal jedoch entgleiten ihm die Einzelelemente. Dann klaffen Perkussion, ganz links auf der Bühne, und Männerchor, ganz rechts, etwas auseinander. Beeindruckend sonst der Wiener Singverein, der zwar stellenweise sogar schreien darf, aber dennoch nicht nur durch Wucht, sondern auch durch Präzision überzeugt.

Nora Gubisch fügt sich mit ihrem tiefen Timbre gut in die triste Stimmung des Satzes "Feld des Todes", kann aber gegen die laue Gesamtwirkung, die in der Natur des Abends liegt, nichts ausrichten.