André Previn galt als einer der universellsten Musiker seiner Zeit. - © afp/Getty
André Previn galt als einer der universellsten Musiker seiner Zeit. - © afp/Getty

New York/Wien. Große Trauer herrscht unter Musikfreunden über den Tod von André Previn. Der amerikanische Musiker mit Berliner Wurzeln ist am Donnerstag in New York im Alter von 89 Jahren gestorben.

Previn hatte deutsche Wurzeln, er wurde am 6. April 1929 als Andreas Ludwig Priwin als Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts in Berlin geboren. Die Familie musste vor den Nationalsozialisten flüchten und emigrierte in die USA zu Verwandten, von denen er auch die Schreibung seines Namens übernahm. Seine erste musikalische Ausbildung hatte Previn im Elternhaus und auf einem Berliner Konservatorium erhalten. Alles Weitere brachte er sich der ungewöhnlich leicht und schnell lernende junge Mann dann in den USA autodidaktisch bei.

Komponist, Dirigent, Pianist und Arrangeur war Previn, und auf allen Ebenen seiner Begabungen überschritt er spielerisch die Genregrenzen: Jazz und Filmmusik war ebenso sein Metier wie das klassische Konzert. Nur für die Oper interessierte er sich als Interpret weniger - dafür umso mehr als Komponist.

Weltweit gefragter Dirigent

In Mitteleuropa war Previn vor allem als Dirigent ein Begriff, vielleicht auch, weil seine großen Karrierestationen mit renommierten Chefdirigentenpositionen in Europa und den USA verbunden waren: Houston Symphony Orchestra, London Symphony Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic Orchestra, Royal Philharmonic Orchestra und Oslo Filharmoniske Orkester.

Sein Stil als Dirigent war so unspektakulär wie einnehmend: Ihm war wichtig, den natürlichen Fluss eines Werks aufzuspüren. Sein Repertoire als Klassikinterpret war riesig. Um zahlreiche der tragenden Säulen der Klassikszene machte er allerdings einen Bogen. Eher fand man Symphonien von Ralph Vaughan Williams als die Mahlers in seinen Programmen, eher Sibelius als Bruckner. Er liebte die Russen Tschaikowski, Rachmaninow, Prokofjew und Schostakowitsch und kümmerte sich um Pfade, die sonst selten beschritten werden: Messiaens "Turangalila" setzte er an, als es noch eine Pioniertat war, er spielte Respighi und Walton, Brittens "Spring Symphony" und Orffs "Carmina burana". Und er arrangierte und dirigierte den Soundtrack für Musicalverfilmungen, etwa "Gigi" (Oscar 1959), "Porgy and Bess" (Oscar 1960), "Irma la Douce" (Oscar 1964) "Kiss me, Kate", "My Fair Lady" (Oscar 1965) und "Jesus Christ Superstar".

Affinität zum Film

Überhaupt hatte Previn eine Affinität zur Filmmusik. Er selbst schrieb die Musiken etwa zu "Stadt in Angst", "Elmer Gantry", "Eins, Zwei, Drei" und "Küss mich, Dummkopf".

Als Komponist begann Previn als Jazzer und Songschreiber ("The Faraway Part of Town") und er war der erste Jazzkomponist, der eine Goldene Schallplatte bekam. In seinen klassischen Werken verband er Jazz mit neueren Kompositionstechniken. Dissonante Harmonik und italienische Kantabilität mischte er in seinen Opern "A Streetcar Named Desire" und "Brief Encounter" zu zwei der spannendsten US-amerikanischen Musiktheaterstücke. In seine Musicals "Coco" und "The Good Companions" übertrug er seine Erfahrungen als Songwriter auf die Bühne.

Auch Previns Konzertwerke leben von einem Gegenüber von jazziger Nervosität und langen melodischen Linien über dichten Akkorden, etwa in "Diversions", im Harfen- und im Klavierkonzert, vor allem aber im Violinkonzert, das er für seine damalige Frau Anne-Sophie Mutter komponierte. Die deutsche Stargeigerin war Previns fünfte Frau. Zuvor war er verheiratet mit der Jazzsängerin Betty Bennett, der Autorin und Singersongwriterin Dory Langdon, der Schauspielerin Mia Farrow und Heather Hales.