Auf den ersten Blick eine Schnapsidee: Die "Symphonie fantastique" von Hector Berlioz, eingedampft zu einer Fassung für zwei Klaviere? Da geht die Klangfülle des Werks verloren, und auch seine Kernattraktion - die Orchesterfarben. Sie müssen bei der Uraufführung 1830 einen ähnlich Eindruck auf das Ohr gemacht haben wie heute Laser-Effekte auf das Auge. Insofern ist Skepsis angebracht bei diesem Projekt von Marie-Josèphe Jude und ihrem französischen Landsmann Jean-François Heisser, der auch die Fassung erstellt hat: Verleiben sich da zwei Tastenlöwen ohne Rücksicht auf Verluste ein Filetstück der Orchesterliteratur ein?

Tatsächlich entstehen hier Einbußen, sie sind schon den ersten Minuten anzuhören: Ihrer blühenden Orchesterfarben beraubt, macht die Musik den Eindruck eines knorrigen Baums im Winter.

Allerdings, oh Wunder: Es ergibt sich auch ein Gewinn. Er verdankt sich der Transparenz dieser Aufnahme. Die Musiker, die an einer Art siamesischem Klavierzwilling tätig sind - einem historischen Instrument der Firma Pleyel mit Tastaturen an beiden Enden -, machen jede Partiturnote hörbar. Was sonst zwischen Streicherstimmen zerrinnt oder unter Blechmassen begraben wird, kommt hier ans Licht. So beginnt ein Hörabenteuer in High Definition, das nicht nur unentdeckte Nebenstimmen zum Klingen, sondern auch den Wahnwitz der beiden Schlusssätze zu Bewusstsein bringt: Wie schräg Berlioz da Noten aufeinanderknallen lässt, wie kühn er sich über alle Konventionen seiner Zeit hinweggesetzt hat, das fällt einem in dieser Aufnahme wieder wie Schuppen von den Augen.

Der deutsche Pianist Alexander Lonquich hat sich Schumanns Klavierkonzert zur Brust genommen - einen Reißer, den man im Wiener Klassikbetrieb reichlich geboten bekommt. Nach der letzten Live-Enttäuschung (im Musikverein mit Pianistin Hélène Grimaud und Dirigent Andris Nelsons) ist diese Einspielungen allerdingsein Labsal. Lonquich, der die Doppelrolle des Pianisten und Dirigenten (im Studio) tadellos bewältigt, gelingt gewissermaßen die Quadratur des Kreises. Hier brennt nicht nur das Feuer virtuoser Romantik, es keimt auch Schumann’sche Poesie auf - wobei sich die Gegenpole nicht in die Quere kommen. Es ist ein Hörvergnügen, wie Lonquich pianistische Steigerungswellen auskostet und in die Vollen geht, seinen Schwung aber für delikate Passagen abzufangen versteht. Im italienischen Colobrì Ensemble findet er dabei einen Begleiter, der seinem Namen gerecht wird: Das Kammerorchester aus Pescara glänzt durch Wendigkeit, Agilität und punktgenaue Akzente.