http://www.wienerzeitung.at/bilder/pop/liebe.jpg 2001 hatte das von Wolfgang Pollanz geleitete steirische Label Pumpkins Records eine viel gelobte Kompilation rund um einen problematisch konnotierten Topic herausgebraucht: Sie entriss "Heimat", so hieß die Platte, der Lodenseligkeit einschlägiger Interessensgruppen, unter denen Politiker einer bestimmten Richtung jedenfalls mehr als nur eine Minderheitenfraktion stellen.

Nun verschreibt er sich einem Begriff, der zwar keine ideologische Vorbelastung, aber missbräuchliche Verwendung in endlos inflationärem Ausmaß als Hypothek mitbringt: 19 Interpreten ließ Pollanz antreten, um ihre Visionen, An- und Aussichten von, über und auf (körperliche, schüchterne, enttäuschte, platonische) Liebe zu äußern. Ein paar auf Englisch, eine Paarung (Clemens Haipl und Galibendo Gnásdovil mit ihrer Version des Julio-Iglesias-Schlagers "Amor") spanisch, während "Je t'aime" von Lassos Mariachis mit dem Erotik-Evergreen Serge Gainsbourghs nur den Titel gemeinsam hat, und sich sonst, wie die meisten, der deutschen Sprache anvertraut.

Einer der nachhaltigsten Beiträge kommt gleich am Anfang dieser CD: "Sex Machine" von Gelee Royal. Auch dieser Song hat mit einem gleichnamigen Klassiker nur den Titel gemein, dafür wird, zu betont roboterhaftem Elektronik-Backing, unermüdlich betont: "Ich bin sexuell attraktiv". Wer will, kann sich hier an DAF-Minimalismus erinnert fühlen, oder auch, nicht weit davon entfernt, an Gräueltaten der Neuen Deutschen Welle. Wie auch immer, das Ding setzt sich wie ein Parasit im Hirn fest. Ähnliche Kaliber sind Franz Adrian Wenzls "Gib mir dein Geld (wenn du mich wirklich liebst)", das, von einem tiefschürfenden Saxophon abgesehen, wie eine besonders sentimentale Nummer aus Depeche Mode's Frühzeit klingt, aber auch das spartanisch arrangierte, im Dialekt vorgetragene "Imma wieda" von Der Schwimmer.

Ein paar Durchhänger gibt's schon auch, aber die gehören bei einem solchen Projekt gewissermaßen systemimmanent dazu: Wie sonst sollten sich - streng subjektiv natürlich - Maßstäbe für Groß und Klein, Gut und Böse, Schön und Hässlich definieren lassen?
Diverse: Liebe Sexxx Amour (Pumpkin Records/Hoanzl).