"Ich glaube, dass es für einen Musiker wirklich eine große Chance ist, Armenier zu sein", sagte der junge Cello-Rising Star Narek Hakhnazaryan in einem Interview. Denn als solcher habe man den Schmerz quasi in die Wiege gelegt bekommen und könne ihn auf ganz natürlich Art auspacken, wenn man ihn brauche.

Edward Elgars Cellokonzert (e-moll) sieht der Cellist, der im Rahmen des Programms "Great Talent" gefördert wird, ganz offensichtlich als ideale Gelegenheit. Er packt seine Emotionen in hartes Vibrato, die manchmal gar ins Triefende kippen. A l’arméniennne eben. Diese Sichtweise ist zwar zulässig, auch wenn dadurch die pathetische Ader des Stücks forciert wird und man da, wo man vielleicht ein wenig mehr Kratzborstigkeit gesucht hätte, nur Rundungen antrifft.

Unter dem Dirigenten Jakub Hrua allerdings schaffen die Symphoniker es nicht, die notwendige Spannung aufzubauen, die Stücke zerbröseln zunehmend. Schon in Ludwig van Beethovens Erster Symphonie (C-Dur) wird die Dynamik nicht voll ausgeschöpft, erst das Adagio gelingt farbenreicher und vielfältiger in der Umsetzung.

Der Härtetest folgt jedoch in der zweiten Hälfte mit Dmitri Schostakowitschs Neunter Symphonie (Es-Dur). Hier zeigt sich, dass der Zusammenhalt unter Jakub Hrušas Dirigierstab nicht stark genug ist, die Verhältnisse sind allzu unausgewogen. Und auch, wenn die zwei letzten Sätze dann doch noch einheitlicher gelingen, bleibt ein eher chaotisches Gesamtbild.