Janine Jansen zählt nicht nur daheim zu den größten Stars ihres Landes - und dabei gehört die 41-Jährige weder zum niederländischen Königshaus, noch pflegt sie die Liebe zu einem Top-Kicker. Nein, die ebenso selbstbewusste wie natürliche Frau mit dem ansteckenden Lachen spielt Violine - und zwar derart voll und strahlend im Klang, dass ihr das Publikum von Europa bis Amerika zu Füßen liegt. Am Samstag gastiert sie mit Pianist Alexander Gavrylyuk in Wien.

"Wiener Zeitung": Musiklabels verpassen Geigerinnen schon aus Promotion-Gründen gern ein bestimmtes Image - wie sieht denn das Ihre aus?

Janine Jansen (lacht): Ich kann mit dem Begriff Image wenig anfangen . . . Ja, für mich klingt es auf eine bestimmte Weise negativ, denn Image ist etwas, das einem übergestülpt wird. Ein solches Image möchte ich aber gar nicht haben - ich bin ich!

Wenn der visuelle Eindruck nicht im Mittelpunkt stehen soll, wie versuchen Sie dann, Ihr Publikum zu überwältigen?

Zu allererst: Begeisterung wecke ich nicht mit meinem Aussehen. Vielmehr geht es darum, Musik zu machen, dem Publikum Emotionen zu vermitteln, und zwar auf eine ganz natürliche Art und Weise. Zudem ist es wichtig, offen gegenüber den anderen Musikern auf der Bühne zu sein und spontan auf sie zu reagieren, denn am Ende sollte ein einziges Ziel stehen: die Musik möglichst unmittelbar und überzeugend dem Publikum nahezubringen.

In Wien sind Sie als Kammermusikerin zu erleben, doch ebenso häufig treten Sie auch als Solistin mit Orchester auf. Nun geht man ja an ein Werk nicht immer mit denselben künstlerischen Vorstellungen heran - ist es schwieriger, sich gegen einen Dirigenten durchzusetzen oder gegen einen Kammermusikpartner?

Das hängt ganz von den Musikern ab und ihren Einstellungen. Dass jemand auf seinem Standpunkt beharrt, kann ebenso mit einem Dirigenten passieren wie mit einem Pianisten, Cellisten oder Geiger. Ich persönlich mag solch eine Sturheit aber grundsätzlich nicht: Musik ist nun einmal nicht auf einen einzigen Weg festgelegt - mein ehemaliger Geigenprofessor hat mich gelehrt, stets verschiedene, überzeugende Wege für jede einzelne Phrase zu suchen. Und entsprechend schätze ich am meisten die künstlerische Flexibilität.

Nimmt die mit dem Alter ab?

Vielleicht ist es in der Tat auch eine Frage der Generation, wenn ich an meine eigenen Erfahrungen denke - nicht nur bei den Dirigenten, sondern auch in der Kammermusik. Natürlich bin ich sehr glücklich, mit älteren Kollegen zusammenzuarbeiten, denn sie bringen einen großen Erfahrungsschatz mit. Doch zugleich kann es auch schwieriger sein als mit jungen Kollegen, etwa wenn man ihnen sagen möchte: Lass uns doch einmal dieses oder jenes ausprobieren, denn die denken natürlich: Dann zeig’ mir doch erst einmal, dass du spielen kannst, bevor wir hier anfangen, über Musik zu diskutieren.