Fällt es Ihnen schwer, nachzugeben bei solchen Diskussionen?

Auch das hängt sehr vom Gegenüber ab. Wenn etwas so stark meiner Natur widerstrebt, dass ich einfach nicht fähig wäre, ein Werk auf eine bestimmte Art überzeugend zu musizieren, dann kann das Ganze auch schon einmal zu einem kleinen Ringkampf werden - wobei: Solch ein Kampf ist selbst mit meinen engsten Kammermusikpartnern nicht ausgeschlossen, denn auch dort herrscht keineswegs immer Friede, Freude, Eierkuchen.

Wer Ihre Leidenschaft für die Musik auf der Bühne oder auch hier im Gespräch erlebt, kann sich kaum vorstellen, dass Sie Ihre Geige jemals mehr als einen Tag aus der Hand legen . . .

(lacht): Oh, doch, das schaffe ich schon - jeweils eine Woche im Januar und eine Woche im Sommer. Es ist einfach wichtig, den Fokus auch einmal auf etwas ganz anderes zu richten: Nicht allein, einmal nicht zu üben, sondern auch den Kopf frei zu bekommen von allem, was mit Musik zu tun hat, denn es gibt immer zahlreiche Sachen, die getan werden könnten. Und da versuche ich dann einfach, gänzlich abzuschalten. In der Vergangenheit hat das oft gut funktioniert, wenn ich in die Berge gefahren bin.

Sofern denn Ihr Mann, der ebenfalls Musiker ist, auch sein Instrument beiseite legt - wie kommt es eigentlich, dass Musiker oft mit anderen Musikern liiert sind?

Natürlich versteht man sich sehr viel besser, weil man den Lebensstil des anderen kennt. Doch vor allem sind es gewöhnlich die Menschen, die wir kennenlernen können, weil man sich eben im Konzertleben trifft, gemeinsam auf der Bühne steht oder eine Tour zusammen unternimmt - denn daneben haben wir normalerweise ja gar keine Zeit, jemanden kennenzulernen.

Engt das aber nicht den Blick auch ein, wenn beide Musiker sind - und man vermutlich dann ständig über Musik spricht?

Nein. Klar: Wenn man mehr als 100 Konzerte im Jahr spielt und sich dann ein paar Tage im Monat sieht, ist Musik natürlich auch ein Thema, über das man spricht - zumal es für eine Beziehung sehr wichtig ist, das Leben des anderen zu teilen und nicht nur ihn zu treffen. Aber daneben geht es auch um den ganz normalen Alltag, geht es nicht um ihn als Musiker, sondern um ihn als Menschen: Ja, wäre er ein Zimmermann, vermutlich wäre ich ebenso glücklich (lacht).