Andrey Boreyko sorgte für ein aufsehenerregendes Konzert mit zwei Erstaufführungen.
Andrey Boreyko sorgte für ein aufsehenerregendes Konzert mit zwei Erstaufführungen.

Manche Perlen müssen lange in der Dunkelheit verharren, bevor sie entdeckt werden. So auch das "Sinfonische Poem Nr. 2" von Galina Ustwolskaja und "Styx" von Gija Kantscheli, die beide soeben ihre österreichische Erstaufführung erlebten. So erfreulich das ist, so kann man nicht umhin zu fragen: Wieso erst jetzt?

Das Sinfonische Poem von Ustwolskaja, deren Beziehung zu Schostakowitsch über ein herkömmliches Lehrer-Schülerin-Verhältnis weit hinausging: sanft und wohlklingend zu Paukenschlägen, die wie ein wankender Riese dahinschlingern; klare Linien, klarer Rhythmus, ein großes Aufbäumen, das schließlich wieder ins Pianissimo gleitet.

Relativ schlicht und doch ausgeklügelt in der Konzeption ist auch Kantschelis Werk (mit Nils Mönkemeyer an der Solo-Bratsche). Da verdichten sich Sopranstimmen zu leisesten Violaklängen, kaum merkbar im Übergang, zu starken Spannungen. Das Stück sieht vor allem piano für die Bratsche vor, sodass manchmal Mönkemeyers Atem seine Noten übertönt. Auch wenn sich das Orchester aus dem Hintergrund in Sekundenschnelle in akustisch ungeahnte Höhen schwingt, trägt die Bratsche die Ruhe durch den Sturm des Chors, dessen Spektrum ausgeschöpft wird von zarten Stimmverästelungen bis zum ohrenbetäubenden Klang. Wenn sich dann auch noch die Bläser hinzugesellen, stellt sich Gänsehaut ein. E-Bass und viele Schlagwerke stampfen den Rhythmus in den Boden, während der Singverein "Time!" schmettert. Zurück bleibt die leise quietschende Bratsche, deren letzter Ton quasi von den Sängern eingesogen wird.

Schostakowitschs fünfte Symphonie ist dann in ihrer fein ausnuancierten Art der krönende Abschluss eines Abends, der vor allem auch durch das RSO und die sehr stringente Führung Andrey Boreykos strahlte.