So wie die bedeutende russische Pädagogin und Pianistin Maria Yudina, welcher der Klavierabend am Donnerstag im Wiener Konzerthaus gewidmet war, einen bleibenden Eindruck durch ihr Wirken hinterließ, so schaffte es Pianist Sergei Babayan an diesem Konzertabend mit glänzendem Klang und ausgefeilter Technik, sein Solorezital zu einem überaus nachhaltigen Erlebnis zu machen.

Es schien ihm ein Leichtes, das 250 Jahre Musikgeschichte umspannende Programm zu präsentieren und dabei die Besonderheiten jeder einzelnen Epoche herauszuarbeiten. So brillierte er in Arvo Pärts "Für Alina" mit äußerst weichem Anschlag, der sich in Franz Liszts Ballade Nr. 2 auch in kraftvollere, doch feingliedrige Passagen umwandelte, wobei Babayan die Möglichkeiten seines Instruments mit filigranem Fingerspiel und spannungsvoller Agogik vollkommen auskostete.

Die Erstaufführung von Vladimir Ryabovs Fantasie op. 21 "In memoriam Maria Yudina" brachte der US-amerikanisch-armenische Pianist mit Pathos, facettenreich und ausgefeiltem Pedalspiel zu Gehör. Auch die weiteren Werke von Jean-Philippe Rameau, Frédéric Chopin und Sergej Rachmaninoff schliff Babayan mit großer dynamischer Bandbreite und klarer Struktur zu wahren musikalischen Diamanten. Jeder Komponist bekam seine eigenen Charakterzüge: Rameau durch Leichtigkeit und Stringenz, Chopin durch akkuraten Anschlag sowie Rachmaninoff durch typische Schwere und Virtuosität. Vor Sergei Babayans Darbietung dieses so vielfältigen, kurzweiligen und technisch auf höchstem Niveau präsentierten Konzerts konnte man sich nur verneigen.