Abseits aller Aufregungen und Diskussionen, die es in letzter Zeit um Daniel Barenboims Führungsstil und autoritäre Art gegenüber Orchestermitgliedern gab, konnte dieser beim siebenten Abonnementkonzert der Wiener Philharmoniker am Samstagnachmittag im Wiener Musikverein wieder einmal seine tadellose musikalische Genialität unter Beweis stellen.

Voller Kontraste präsentierte das Orchester Sergeij Prokofieffs "Symphonie classique", zwar zu Beginn etwas weniger akkurat und artikulatorisch indirekt, doch im weiteren Verlauf mit klarer Struktur, feinen dynamischen Unterschieden und sattem Klang. Barenboim legte großen Wert auf eine klassische Musizierweise - wie von Prokofieff selbst intendiert -, verzichtete auf ausufernde Agogik und konzentrierte sich auf genaue Tonbindungen und dynamische Präzision.

Faszinierend, geradewegs aus dem Nichts begann Gustav Mahlers Erste Symphonie, wobei Barenboim sehr intensiv mit dem Orchester kommunizierte. Von den etwas holprigen Bläser-Einsätzen zu Anfang abgesehen, konnten die Philharmoniker mit warm-kraftvollem Gesamtklang überzeugen. Der bewusst volkstümlich-derb gespielte zweite Satz bildete einen grandiosen Kontrast zum dritten, in dem Barenboim auf Reduktion setzte und dem Orchester dadurch einen wunderschönen zarten Ton entlocken konnte. Der Satzbezeichnung "stürmisch" des vierten Satzes wurde zum Schluss alle Ehre gemacht, die Philharmoniker überzeugten durch wildes und energisches, aber dennoch äußerst präzises und differenziertes Spiel.