Wie kommt man am schnellsten von Beethoven zu Ravel? Auf den ersten Blick nicht ganz einfach, nach der Aufführung des Orchestre national de France indessen schon eher: Man nehme den Zug impressionistischer Klangbilder.

Zumindest in der Interpretation Altinoglus erscheint Beethovens viertes Konzert für Klavier und Orchester (G-Dur) in diesem Licht. Er breitet Klangteppiche aus, breit und weichgezeichnet. Igor Levit am Klavier konturiert sein Spiel darüber verhältnismäßig schärfer, gibt unbeirrt träumerische Motive, die von den Streichern unterbrochen, quasi weggestrichen werden. Dennoch verweilt auch er im Becken des Herkömmlichen, bei aller vornehmen Zurückhaltung von allen Seiten, die jedoch nicht mit feiner Ausgestaltung zu verwechseln ist. Daraus ergibt sich ein breiiges Gesamtbild sowohl des Orchesters als auch Levits - ob das gewollt ist, bleibt fraglich. Levit jedenfalls hat man schon intensiver gehört.

Ravel und Strawinski liegen Altinoglu in der Orchesterführung weit besser als Beethoven. Die einzelnen Instrumente treten in Maurice Ravels "Ma mère l’oye" klarer hervor, er geht mehr ins Detail und schnitzt die Motive auch auf dynamischer Ebene feiner heraus. Vor allem die Holzbläser bestechen dabei durch besondere Geradlinigkeit und Präsenz. In Igor Strawinskis temporeich gespielter "Feuervogel"-Suite bleibt diese motivische Klarheit bestehen. Altinoglu zeigt dabei keine Angst, auch die theatralischen Elemente zu betonen. Zumindest in der zweiten Hälfte also einigermaßen erfreulich.