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Regensburg/Wien. Der bayerische Komponist Heinz Winbeck ist am 26. März 2019 in Regensburg gestorben. Winbeck galt als einer der bedeutendsten Symphoniker der Gegenwart. Seine Fünfte Symphonie befasst sich mit dem unvollendeten Finale von Anton Bruckners Neunter.

Winbeck, am 1. Februar 1946 in Piflas in ärmlichen Verhältnissen geboren, war Kompositionsschüler von Harald Genzmer und Günter Bialas. In seinen Werken widersprach er allerdings der Ästhetik von Musik als Handwerk. Winbeck reiht sich mit seinem Werk unter die großen Symphoniker. Geistige Verbindungslinien führen zu Anton Bruckner und Gustav Mahler. Eine andere künstlerische Wahlverwandtschaft verbindet Winbeck mit Karl Amadeus Hartmann. Wie er, nützte auch Winbeck die gesamte Bandbreite stilistischer Möglichkeiten für eine Musik, in der sich zugunsten der emotionalen Geste weitgespannte tonale Kantilenen ebenso finden, wie atonaler Akkordstau und Eruptionen rhythmischer Energie. Unmittelbare Sinnlichkeit und konstruktive Intellektualität gehen in seiner Musik eine perfekte Verbindung ein. Eine Entladung wie zu Beginn der Ersten Symphonie mit der ans Manische grenzenden Motivwiederholung ist in der gesamten symphonischen Literatur einzigartig.

Ein großer Teil von Winbecks Schaffen kreist um das Thema Tod: Die Erste Sinfonie "Tu solus" ist dem Andenken an die Geschwister Scholl gewidmet, die Dritte folgt Georg Trakls Antikriegsgedicht "Grodek", die Vierte ist unter dem Eindruck des Todes von Winbecks Mutter geschrieben, sein zweites Streichquartett stellt eine Art Requiem auf den Tod seines Vaters dar, die Fünfte Symphonie trägt den Untertitel "Jetzt und in der Stunde des Todes", und es ist kein Zufall, dass sie sich auf Bruckners letztes und unvollendet gebliebenes Werk bezieht.

Dass Winbecks Musik im Verhältnis zu ihrer künstlerischen Bedeutung wenig Verbreitung gefunden hat, ist mit der Einstellung des Komponisten zu erklären: Winbeck war überzeugt, es gebe so viel an Musik, dass es auf ihn nicht mehr ankomme, jeder Musiker habe aber Verantwortung für die weitere Entwicklung der Musik. So hat er sich stets mehr um andere gekümmert als um sich selbst.

Die Schüler seiner Würzburger Kompositionsklasse schildern ihn denn auch als bescheidenen und stets anderen zugewandt. Der Komponist Daniel Hensel etwa beschreibt ihn als den großzügigsten Menschen, der ihm je begegnet sei; Winbeck habe Geld vor allem als Möglichkeit betrachtet, zu helfen, Mensch wie Tier. Dementsprechend richtete er auf seinem Bauernhof einen Gnadenhof ein, wo jedes Tier in Würde sterben konnte.

Ob Winbecks Musik überleben wird, ist vorerst noch nicht zu beurteilen. Dass sie groß und bedeutend genug dafür wäre, steht für jeden außer Frage, der Winbecks Symphonien oder seinen "Entgegengesang" gehört hat.