Es brauchte nur vier Noten, um Musikgeschichte zu schreiben - Ludwig van Beethovens Fünfte Symphonie bedarf in ihrer Omnipräsenz als eines der bekanntesten Werke klassischer Musik wohl keiner näheren Erläuterung und riss auch beim Abonnement-Konzert der Wiener Philharmoniker - neben Beethovens Vierter Symphonie - am vergangenen Samstag im Musikverein das Publikum einmal wieder in seinen Bann. Maßgeblichen Anteil daran hatte der lettische Dirigent Andris Nelsons, unter dessen feinfühliger Leitung das Orchester mit stringenter Interpretation einen von Anfang bis Ende spannungsvollen dramaturgischen Bogen über das Konzert spannte.

Nelsons setzte in der Fünften Symphonie wenig auf pathetische Effekthascherei, sondern präsentierte das Werk in all seinen filigranen Details und arbeitete insbesondere die einzelnen melodischen Phrasen gekonnt heraus, ohne den voluminösen Klang der Philharmoniker zu verlieren. Einzig im zweiten Satz gerieten die zuweilen ausgedehnten Ritardandi und lang anhaltenden Pausen etwas kitschig.

Sowohl in der Fünften als auch in der Vierten Symphonie überzeugten speziell die Bläser mit kraftvollem Klang und glänzendem Ton. In Letzterer gelangen insbesondere die energischen Crescendi wunderbar konturiert, dynamisch wurden die Extreme ausgekostet. Makellose Kommunikation mit den spielfreudig aufgelegten Wiener Philharmonikern und klare interpretatorische Vorstellungen: Andris Nelsons’ Beethoven berauschte, ohne sich ausschließlich dem pathetischen Klangrausch hinzugeben.