Glück und Unglück liegen oft nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt. Gerade eben noch war Grün die "liebe Farbe": Zypressenhain, Rosmarein, alles grün so rings und rund. Sein Schatz hat’s Grün so gern. Plötzlich der Stimmungswechsel. Aus Liebe und Hoffnung wird totenbleiches Weinen, das Grün zur "bösen Farbe". Verliebtsein ähnelt oftmals einem Wechselbad der Gefühle.

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Wie treffend und zeitlos gültig hat Franz Schubert das in seinem Liederzyklus "Die schöne Müller" zum Ausdruck gebracht! Michael Schade und Malcolm Martineau machten dies im Brahms-Saal deutlich. Der Müllerbursche durchlebt eine emotionale Achterbahn. Vom viril aufschießenden "Wandern" bis hin zur Besiegelung der Ausweglosigkeit mit "Des Baches Wiegenlied".

Schade und Martineau legten in ihrer Interpretation das Augenmerk auf die Dramaturgie der Geschichte. Aus der Darbietung der beiden erwuchs ein Sog, der sich zunehmend intensivierte und bis zum Schluss - und darüber hinaus - anhielt. Gebannt lebte man mit dem jungen Mann mit und lauschte dem Bach, seinem einzigen Vertrauten. Michael Schade stellte das aufgerüttelte Innenleben des jungen Mannes facettenreich dar, fiel von aufbrausender Ungeduld unvermittelt in sanftmütige Vorsicht. Sparsam eingesetzt die Gesten, imposant die Kraftausbrüche, bittersüß das hohe Register. Schades kongenialer Klavierpartner Malcolm Martineau trug die Präsentation des Tenors voll mit und gestaltete seinen Part mit szenischer Farbigkeit und zwingender Präsenz.