Giuseppe Verdi schrieb sein Requiem anlässlich des Todes von Alessandro Manzoni. Der Komponist wollte dem Dichter und Nationalhelden ein musikalisches Denkmal setzen. Die eineinhalbstündige Totenmesse ist voll von Dramatik und Kontrasten auf der Basis von über zwanzig Opern.

Derlei hochexpressives Ausgangsmaterial ist ideal für Teodor Currentzis. Kaum ein Name hat derzeit mehr magnetische Strahlkraft in der Klassikszene. Im Wiener Konzerthaus rissen der Dirigent und musicAeterna das Publikum zu stehenden Ovationen hin. Die bedingungslose Hingabe und die totale Konzentration von Chor und Orchester der Oper Perm ihrem Leiter gegenüber sind derzeit wohl singulär. Jede noch so kleine Geste des charismatischen Currentzis fand ihren Niederschlag bei seiner Musiziergefolgschaft. Jede Phrase, jeder Schluss, jede dynamische Entwicklung wirkte genauestens durchdacht, erprobt und ausgearbeitet.

Allein der gleichsam aus dem Nichts erwachsende Beginn des Requiems war schlicht phänomenal. Und die Einheit, mit der der riesige Chor seinen Part umsetzte, nahm einfach nur wunder. Endlos erschien die von allen am Podium gehaltene Stille unmittelbar nach dem letzten "Libera me". Currentzis überließ nichts, wirklich gar nichts dem Zufall. Beeindruckend, bei manchen (Soli)Stellen mitunter erdrückend. Sehr gut das Solistenquartett mit dem großartigen Tenor René Barbera, dem mächtigen Bass Tareq Nazmi und den Damen Zarina Abaeva und Varduhi Abrahamyan.