Wien. (irr/apa) Eine Überraschung war es am Montag nicht, wer der Presse als nächster Intendant des Wiener Musikvereins präsentiert wurde: Der Klassiktempel hatte in der Vorwoche nicht nur zur Präsentation seines nächsten Chefs geladen, sondern zugleich bestätigt, dass diese Person Stephan Pauly heißen würde. Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Trägerverein des prestigeträchtigen Gebäudes, dürfte damit ihren Wunschkandidaten gefunden zu haben. Schon im Februar hatten die Musikfreunde verlautet, Verhandlungen mit dem gebürtigen Deutschen zu führen.

Pauly, 47, eilt der Ruf eines maßvollen Erneuerers voraus. Ab dem Jahr 2002 hat er die Stiftung Mozarteum geleitet und ihr Konzertprogramm um zeitgenössische Werke angereichert. Seit 2012 wirkt er als Geschäftsführer und Intendant der Alten Oper Frankfurt, einem Mehrsparten-Konzerthaus in der deutschen Bankerstadt. Dort bringt Pauly nicht nur konventionelle Programme zu Gehör, sondern hat zuletzt etwa auch ein experimentelles Projekt mit der Performance-Künstlerin Marina Abramović veranstaltet.

"Er hat in jenen Musikinstitutionen, denen er bisher vorstand, das realisiert, was wir uns auch für den Musikverein wünschen: Die Tradition und die Unverwechselbarkeit des Hauses erhalten und gleichzeitig Neues zuzulassen", erklärte Johannes Stockert, Präsident der Gesellschaft der Musikfreunde, vor Journalisten am Montag, und: "Er wird sich den vielfältigen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen." Dabei dürfte sich der Intendantenwechsel geschmeidig gestalten. Thomas Angyan, Leiter des Musikvereins seit 31 Jahren, wohnte dem Medientermin nicht nur bei, sondern fand als Eröffnungsredner schmeichelhafte Worte. Er habe in der Vorwoche ein sechsstündiges Gespräch mit Pauly geführt, sagte Angyan, und er freue sich auf einen "harmonischen Übergang". Pauly wird die Leitung mit 1. Juli 2020 übernehmen, sein Vertrag gilt vorerst für fünf Jahre. Aufgrund der Vorlaufzeiten im Klassik-Betrieb wird die Saison 2020/21 sowohl Paulys als auch Angyans Handschrift tragen; der Mann aus Köln wird erst die nachfolgende Spielzeit gänzlich selbst gestalten.

Dabei gehe es ihm in erster Linie um eine "Fortführung der Exzellenz", betonte Pauly. Er zieht seinen Hut vor der "unvergleichlichen Dichte" an hochkarätigen Klassik-Musikern, die der Musikverein in jeder Saison aufbietet. "Dies weiterzuführen und voranzutreiben verstehe ich als meine erste Aufgabe."

"Organische Planung"

Dabei betonte Pauly, auch für Innovationen bürgen zu wollen - Details gab er freilich noch nicht bekannt. Die Vermutung, er würde in Wien womöglich genau so programmieren wie vormals in Salzburg oder derzeit an der Alten Oper Frankfurt (die ihn vorzeitig aus seinem Vertrag entlässt), erteilte Pauly jedenfalls eine Absage. In den nächsten Monaten gelte es erst einmal, den Betrieb des Wiener Musikvereins, seine "Identität und DNA" gründlich kennenzulernen; auf dieser "organischen" Basis könne er mit einer Programmplanung beginnen, die individuell auf das Haus abzustimmen sei.