Der Komponist Franco Donatoni steht bis heute im Schatten berühmterer italienischer Zeitgenossen wie Luciano Berio oder Luigi Nono. Dies mag auch der Grund dafür sein, dass "Orts. Souvenir Nr. 2" von 1969 bis zum vergangenen Mittwoch nie in Österreich zur Aufführung gelangte. Dass der Maderna-Schüler in Wien dennoch kein Unbekannter ist, verdankt sich zum Großteil dem Klangforum Wien, das nun auch "Orts" zur österreichischen Erstaufführung verhalf.

Als Dekonstruktion einer Dekonstruktion von Stockhausens "Gruppen" ist das Ensemblewerk ein Zeugnis von Donatonis destruktiver Auseinandersetzung mit der seriellen Musik der "Darmstädter Schule". Der Komponist webt hier einen engmaschigen Teppich, dessen ruhelose Betriebsamkeit sich der raschen Abfolge instabiler Zustände verdankt. Einzelne Instrumente oder Instrumentengruppen scheinen einander ins Wort zu fallen, nur um sogleich wieder abzubrechen oder unterbrochen zu werden. Darauf "music box / selbstporträt mit ligeti und strawinsky (und messiaen ist auch dabei)" von Marko Nikodijević aus dem Jahr 2006: eine eklektizistische Montage heterogener Musiksprachen, deren Abfolge nicht immer ganz logisch erschien. Nach der Pause zeigte Klas Torstenssons "Self-portrait with percussion" (2006), dass selbst das auf die Avantgarde eingeschworene Klangforum-Publikum wirkungsvollen Anklängen an Jazz und populäre Musik nicht abgeneigt ist. Das groß besetzte Klangforum unter der Leitung von Bas Wiegers und Solist Lukas Schiske begeisterten mit punktgenau getimtem Sound.