Das Komponieren begann für Balduin Sulzer immer improvisierend am Klavier.  - © Erich Prokosch
Das Komponieren begann für Balduin Sulzer immer improvisierend am Klavier.  - © Erich Prokosch

Wilhering. "Ich bin nicht bewusst Komponist geworden, sondern es hat sich so ergeben": So beschrieb der oberösterreichische Komponist und Pater des Zisterzienserstiftes Wilhering, Balduin Sulzer, einmal seinen Werdegang. Dafür hat der Musikpädagoge, zu dessen Schülern auch Franz Welser-Möst zählte, allerdings ein umfangreiches Werk geschaffen. In der Nacht auf Mittwoch ist Sulzer 87-jährig verstorben.

"... von wegen Komponieren. Zunächst geht’s an Improvisieren" - das war laut Eigendefinition sein Arbeitsstil. Das Komponieren habe er immer mit dem Improvisieren am Klavier begonnen, schilderte er selbst den kreativen Prozess. "Fantasieren, spintisieren, den Spieltrieb anfachen", war sein Zugang. Mit der anschließenden Niederschrift der Stücke gingen die Verfeinerungen der Satzstrukturen und die Markierung architektonischer Fügungen Hand in Hand. Dazu verwendete er "Papier, Bleistift und vor allem den Radiergummi". Etliche Kammermusik hat der Komponist auch auf "Zuruf" seiner Schüler geschrieben, wenn sie gemeint hätten: "Wir brauchen noch ein Stückerl."

In seinem Auftreten zeichnete sich der Meister mit der charakteristischen Frisur durch Bescheidenheit und Humor aus: Er habe viele seiner Schüler gelobt, dass aus ihnen etwas geworden sei, obwohl sie bei ihm in die Schule gegangen seien. "Ich weiß nicht, ob ich ein idealer Lehrer im Sinne des Bundesministeriums war. Ich habe sehr viel in improvisatorischer Art gemacht, sowohl in der Musik als auch in anderen Fächern."

Sulzer wurde am 15. März 1932 in Großraming im Bezirk Steyr-Land geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Linz, studierte er Philosophie, Theologie sowie die Unterrichtsfächer Musik und Geschichte. Seine musikalische Ausbildung erfolgte am Brucknerkonservatorium, an der Hochschule für Kirchenmusik Rom und an der Musikakademie Wien. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Musikpädagoge, Korrepetitor und Domkapellmeister, prägte er vor allem das von ihm gegründete Musikgymnasium Linz, wo unter seiner Leitung das Linzer Jeunesse-Orchester und der Mozartchor Linz entstanden. Ein Absolvent des ersten Jahrganges war etwa Franz Welser-Möst.

Sulzers Werkverzeichnis umfasst rund 420 Titel, darunter drei Opern, neun Symphonien, eine Passion, zwölf Instrumental-Konzerte, Klavier- und Kammermusik, Lieder und Chormusik. Exemplarische Aufführungen gab es u. a. mit dem London Philharmonic Orchestra, dem Sendai Philharmonic Orchestra, den Philharmonischen Orchestern von Kiel und Erfurt, dem Kammerorchester Stockholm, dem Brünner Kammerorchester, dem Bruckner Orchester Linz und dem Wiener Kammerorchester. Für sein kompositorisches Schaffen und seine pädagogische Tätigkeit erhielt Sulzer zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Würdigungspreis der Republik Österreich. Zuletzt wurde ihm - sichtlich bewegt und unter Standing Ovations des Publikums - im Rahmen der Eröffnung des Brucknerfestes 2017 der Ehrenring des Linzer Brucknerhauses überreicht.