In Split geboren: Franz von Suppè (1819-1895). - © Emil Bieber
In Split geboren: Franz von Suppè (1819-1895). - © Emil Bieber

In Willi Forsts Film "Operette", der 1940 in die deutschen Kinos kam, wird der Operettenkomponist Franz von Suppè (die aktuelle Namensschreibung Suppè folgt der eigenen Schreibweise des Komponisten, Anm.) durch den seinerzeit berühmten Opernsänger und späteren Filmschauspieler Leo Slezak verkörpert, der dieser Figur ein gewisses Maß an humorvoll behäbiger Präsenz verleiht.

Doch nur an zwei markanten Stellen dieses Streifens tritt der fiktionale Suppè merkbar in Erscheinung: Zum einen in einer Szene mit dem von Willi Forst zum Operetten-Gott stilisierten und freilich von ihm selbst verkörperten Theaterprinzipal Franz Jauner, bei welcher dieser den Komponisten in ein Klavier-Zimmer einsperrt und ihn nötigt, den erfolgversprechenden Marsch für "Fatinitza" zu komponieren, der dann konsequenterweise aus dieser Zwangssituation zum durchschlagenden Erfolg führt.

In einer Szene davor jedoch bekommt Suppès Auftreten zusätzlich eine ideologisch getränkte Färbung: Nach der mäßig erfolgreichen Premiere der Strauß’-schen "Fledermaus" im Theater an der Wien - es scheint sich um den 5. April 1874 zu handeln - verhilft Jauner als Deus ex Machina ausgerechnet im Lokal der Premierenfeier dem Werk vor ausgewählten Gästen zu einem fulminanten Sieg. Die Glanzleistung besteht aus einem Gesangs- und Tanz-Potpourri mit etwas abgeänderter Fledermaus-Musik, das Jauner zuvor mit dem Ensemble des Theaters einstudiert hatte.

Allumfassendes Genre

Die Fulminanz dieses nachgereichten choreographischen Geniestreiches zieht alle Anwesenden, freilich auch Suppè, in ihren Bann. Als Johann Strauß nach Beendigung der Darbietung schließlich zu dessen Tisch kommt, springt der ältere Kollege auf, küsst den "Walzerkönig" und ruft begeistert aus: "Es ist die Geburt der Wiener Operette!"

Über das ursprüngliche Konzept zu diesem Film erzählt Willi Forst später: "Eines Tages flatterte mir eine Anregung zu, das Leben Franz von Suppès (. . .) zu verfilmen. Während ich seinem Schicksal nachging, stieß ich auf soviel berühmte musikalische Zeitgenossen, dass ich auf die Idee kam, nicht nur die Filmgeschichte um einen Musiker zu schreiben und zu drehen, wie es schon so oft geschehen war: Ich wollte gleich das Leben und Schaffen dreier unsterblicher Tondichter Johann Strauß, Franz von Suppè und Carl Millöcker zeigen und damit eine ganze Zeit umreißen."

Trotz dieses Bekenntnisses einer Allumfassung hinsichtlich des Operettengenres findet eine weitere Verschiebung statt, welche die postulierte Gleichwertigkeit der drei genannten Komponisten zugunsten von Johann Strauß erneut relativiert und Suppè zu einem akklamierenden Zeitzeugen der "Geburtsstunde der Operette" degradiert.