Der Brite Simon Keenlyside interpretierte Orchesterlieder von Jean Sibelius. - © afp/Getty/B. Barket
Der Brite Simon Keenlyside interpretierte Orchesterlieder von Jean Sibelius. - © afp/Getty/B. Barket

Wenn ein britischer Dirigent in Zeiten der politischen Trennungen Mendelssohns Hochzeitsmarsch ins Konzerthaus bringt, muss man sich zumindest fragen dürfen, ob hier ein augenzwinkerndes Statement mit im Spiel ist. Vorerst aber gibt es noch die österreichische Erstaufführung einer Komposition aus seiner eigenen Feder: "Locke’s Theatre" nennt sich das Stück und es besteht aus drei kurzen Sätzen aus Lockes "The Tempest", denen jeweils Bearbeitungen in Form von Modernisierungen und Verfremdungen von Wigglesworth nachgehen. Interessant im Ansatz, stimmig in der Umsetzung. Altes verschmilzt mit Neuem, Vermählungsgedanken also auch hier.

Bei den darauffolgenden acht ausgewählten Liedern Sibelius’, gesungen von Simon Keenlyside, gestalten sich diese schon schwieriger. Es will sich nämlich die finnische Sprache nicht so recht mit dem zu vermittelnden Inhalt vermengen. Von der Nymphe Echo ist hier etwa die Rede, die von ihrem Liebsten verlassen wird, sie bleibt zurück mit traurigem Herzen. Auf Finnisch klingt das in etwa so: "Kilvan kyyhkyjen kisoissa / Kesäpäivän paistaessa / Illan kuun kumottaessa". Es mag dem im Finno-Ugrischen ungeschulten Ohr geschuldet sein, doch klingt in den deutschsprachigen Liedern mehr Wärme in Keenlysides Gesang mit.

Das Radio-Symphonieorchester jedenfalls zeigt sich an diesem Abend gut in Form, sowohl in Edward Elgars "Falstaff", das die Musiker sehr präzise spielen, als auch in den Auszügen aus Mendelssohns "Sommernachtstraum" (wunderbar ergreifende Bläser!). Lediglich im Scherzo, das Wigglesworth im Eilzugstempo durchpeitscht, wird klar: Auch das RSO ist kein ICE.