Natürlich war das kein politisches Statement pro oder kontra Brexit: Carl Maria von Webers Jubel-Ouvertüre meint mit der finalen Blech-Hymne nicht den Text "God save our gracious Queen", sondern das einst auf dieselbe Melodie gesungene "Gott segne Sachsenland". Kurfürst Friedrich August von Sachsen war 1818 Adressat der Komposition. Sie mündet in eine Tonfolge, die von der Schweiz bis Preußen, von Hannover bis Russland als Staats-Kennmelodie gut war. Und natürlich nicht zu vergessen auf "Heil dir im Siegeskranz", die deutsche Kaiserhymne von 1871 bis 1918. Mit der Jubel-Ouvertüre eröffnete Christian Thielemann im zweiten Orchesterkonzert der Osterfestspiele am Montag ein gustiös romantisches Wunschkonzertprogramm.

Treiber oder Getriebener

Wer war im Mendelssohn-Violinkonzert der Treiber, wer der Getriebene? Frank Peter Zimmermann ließ jedenfalls vom ersten Einstieg keinen Zweifel daran, dass er nicht ein auf angenehmen Orchesterwellen getragener Lyriker, sondern ein Agitator sein will. Der geigerische Schmachtfetzen wirkte alsbald kräftig ausgewrungen, und es war eher Geschmackssache, ob man sich davon befremden ließ oder das so recht Fetzige zu goutieren wusste. Thielemann, sein Dresdner Orchester und Schuberts "große" C-Dur-Symphonie: Das sind schon ganz andere Gefilde als jene der Wiener Philharmoniker. Viele außergewöhnliche Rubati sind Thielemann fürs Scherzo eingefallen - ein so eigenwilliger wie überzeugender Zugang. Schubert kurzweilig auf Langstrecke.