Stabat Mater dolorosa - der Text ist vielen geläufig, aber er kommt eigentlich nicht vor in der Kirche: Die mittelalterliche Sequenz ist schon beim Konzil von Trient Mitte des 16. Jahrhunderts aus dem Messbuch geflogen. Der Vorteil für Komponisten: Sie können sich an diesem Text so recht wollüstig abarbeiten. Das tat Antonin Dvořák, dessen "Stabat Mater" im dritten der Osterfestspielkonzerte in Salzburg zu hören war. In der Londoner Royal Albert Hall, vor 12.000 Zuhörern, ist dieser Schmachtfetzen 1884 uraufgeführt worden. Allein der Chor war damals angeblich 840 Stimmen stark. Es muss respektabel gewabert haben.

Diffuses Klangbild

Das hat es nun im Großen Festspielhaus auch. In einer Zeit, da in der echten Kirchenmusik die Caecilianer (also die Traditionalisten) das Heft in die Hand nahmen, führte Dvořák vor, wie geistliche Musik auch sein könnte: an opernhaftem Aplomb orientiert, gleichwohl sentimental in der melodischen Erfindung. Pietismus in der Verkleidung tönender Wollust. Christoph Eschenbach am Pult der Staatskapelle Dresden hat mit diesem Orchester, das man zuletzt so differenziert und klangsinnlich erleben durfte, in Sachen Dvořák nicht mehr als ein pauschal-diffuses Klangbild erreicht. Dem Chor des Bayerischen Rundfunks, im Solistenquartett wenigstens Elisabeth Kulman und René Pape, hat man anhören können, wie schlank und artikulationsgenau man diese Musik angehen müsste. In Summe doch nur eine Wiedergabe mit ur-sattem Sound, moderat bis verschlurft in den Tempi - und in gehörigem Abstand zum emotionalen Gehalt des Werks.

Konzert

Staatskapelle Dresden

Salzburger Osterfestspiele