Pfeffer im Taktstock: Dirigent Lahav Shani. - © Marco Borggreve
Pfeffer im Taktstock: Dirigent Lahav Shani. - © Marco Borggreve

Über den Namen könnte man nachdenken. Sollte es sich die Quecksilbersäule zur Gewohnheit machen, alljährlich zu Ostern so emporzuschießen wie heuer, dürften die Symphoniker ihr "Frühling in Wien"-Konzert eigentlich gleich "Summer in the City" nennen. Davon abgesehen, besteht beim TV-Konzert des städtischen Orchesters (noch bis Ende dieser Woche auf der ORF-Homepage verfügbar) aber kein Verbesserungsbedarf. Kaum etwas erinnert daran, dass der Traditionstermin einst als Neujahrskonzert des kleinen Mannes galt. Sicher, gewisse Gemeinsamkeiten bleiben: Auch hier will ein blumenumflortes Orchester Frohsinn verbreiten. Doch statt eines Walzer-Potpourris setzt es beim "Frühling" seit Jahren stringentere Programme mit namhaften Solisten.

Dabei ist das Aufgebot heuer ganz auf den Gast zugeschnitten worden, nämlich Geiger Renaud Capuçon. Französische Klänge, so weit das Ohr hörte, mit brillanten Einsatzgebieten für den Star. Ravels "Tzigane" etwa: Der 43-Jährige besitzt für diese Rhapsodie nicht nur das nötige Musikantentum, sondern auch die gebotene Feinnervigkeit. Das "Poème" von Ernest Chausson lässt er ebenso sanft in den Äther entschweben wie die seufzertrunkene "Meditation" von Jules Massenet, kurzfristig ins Programm eingefügt als Tribut an die Katastrophe von Notre Dame. Es gebricht diesem Termin im Konzerthaus aber auch nicht an Schwung, und Dirigent Lahav Shani schüttelt reichlich Pfeffer aus dem Taktstock: Der 30-Jährige bringt das "Zauberlehrling"-Scherzo von Paul Dukas zur vollen Zugwirkung und bleibt dieser Gangart für zwei weitere Ravel-Stücke vor den Zugaben treu, nämlich für die zweite "Daphnis et Chloé"-Suite und die Wien-Hommage "La Valse", die hier rasch auf eine Tanzekstase zusteuert. Eine schöne Gala, mehr noch: ein hochklassiges Konzert.

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