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Die Uraufführung ist ein Auftragswerk der Wiener Philharmoniker für ihren Bruckner-Zyklus, bei dem jeweils eine Symphonie mit einem zeitgenössischen Stück zusammengespannt wird: Christian Masons "Eternity in an hour" bezieht sich einerseits auf Bruckner (in seinem "expansiven Geist", wie der Komponist selbst meint), andererseits holt er sich seine Inspirationen von Textquellen wie William Blake ("To see a world") und will zudem eine Art "Nicht-Zeit" manifestieren.

Man hat es also mit einem ziemlich großen theoretischen Hinterbau zu tun bei diesem Werk von 20 Minuten, das dann allerdings mit den üblichen Mitteln zeitgenössischer Kompositionen arbeitet, mit Radikalität allerdings einigermaßen spart. Zwar gibt es auch hier mehr Klangsphären als Melodien, doch in seinem Tonfall ist das Stück sehr bekömmlich. Dirigent Christian Thielemann versteht es zudem, eine breite Palette an Klängen und Farben aus dem Werk herauszuholen.

Auch bei der darauffolgenden Zweiten Symphonie Bruckners gelingt ihm das. Er strafft das Werk, das übrigens in der zweiten Fassung von 1877 erklingt, und steckt es gewissermaßen in ein Korsett, behält die Form also stets im Auge. In den Himmelfahrt-artigen Momenten, die vor allem in Bruckners späteren Symphonien verstärkt auftreten, lässt Thielemann den Philharmonikern dann aber doch mehr Raum zur Streicherklangentfaltung. Diese Kombination aus formaler Perfektion, Stringenz und Nuancen, ergänzt um wunderbare Bläser-Soli, verleitet das Publikum zu berechtigter Begeisterung.