Mit sparsamen Gesten: Vladimir Fedosejev. - © Mikhailenko Dmitriy
Mit sparsamen Gesten: Vladimir Fedosejev. - © Mikhailenko Dmitriy

Das Werk des Dmitri Schostakowitsch ist voll von Brüchen. Die Musik des Russen bildet die schwierigen Bedingungen im Sowjet-Staat, vor allem unter der Herrschaft Josef Stalins, mit unterschiedlicher Deutlichkeit ab. Eine Beschäftigung mit Schostakowitsch, der mit Todesängsten vertraut war, hat also immer auch einen zeitgeschichtlichen Aspekt. Schon deshalb gebührt den Wiener Symphonikern und ihrem früheren, langjährigen Chefdirigenten Vladimir Fedosejev Respekt für ihr aktuelles Projekt - ein Programm im Musikverein, bestehend aus drei Werken des 1975 verstorbenen Musikers.

Am Anfang Auszüge aus einem Jugendwerk, der Musik zur Revue "Der bedingt Ermordete" (1931). Ein leichtfüßiger Beginn, scheinbar, denn bei Schostakowitsch kann man nie sicher sein. Ein kerniges Klarinettensolo, geschmeidige Saxofonlinien, Instrumentaleffekte zum Aufhorchen, Knopfharmonika inklusive. Dann das ebenfalls noch jugendliche Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester op. 35 aus dem Jahr 1933: eine Collage, ein hoch artifizieller Fleckerlteppich mit Anklängen an Beethoven, Haydn, Bach und Ravel. Traumwandlerisch sicher und mit allergrößter Übersicht präsentierte Lilya Zilberstein den virtuosen Klavierpart; verlässlich agierte der aus den Orchesterreihen kommende Trompeter Andreas Gruber.

An der Konzentrationsgrenze

Die Symphonie Nummer 15, Schostakowitschs Letzte aus dem Jahr 1971, ist ein anderes Kaliber: Mehr als 40 Minuten fließt das Material oft gespenstisch karg dahin, löst sich mitunter beinahe auf, zwischendurch eine innig vorgetragene Cellomelodie. Die Wiedergabe schrammt streckenweise an der Konzentrationsgrenze, wohl auch aufgrund der sparsamen Gesten Fedosejevs, in Summe aber eine Leistung.