Begleitet man Schuberts Lieder nicht mit dem Klavier, sondern mit Streichern, wird es heikel: Da braucht es Arrangements, die ihre Daseinsberechtigung einer originellen Andersartigkeit verdanken, ein Kammerorchester, das in sich präzise agiert und den Sänger stützt, und freilich einen Solisten, dessen Klang sich souverän über der Begleitung entfaltet. Wirklich überzeugend war am Sonntagabend aber keine dieser drei Komponenten im Wiener Konzerthaus.

Die Arrangements von Alexander Schmalcz bieten wenig Spektakuläres, folgen meist artig dem Stimmverlauf. Matthias Goerne zeigt sich bisweilen schludrig, einerseits in der Diktion, andererseits in der Interpretation: Seine kehlige Stimme klingt zwar wohlig, aber ein wenig eintönig im Gefühlsspektrum. Kann es sein, dass der Bariton nicht ganz bei der Sache ist? Einmal vergisst er eine Strophe - und das, obwohl er den Text vor sich hat - und muss sich mittendrin wieder zurückschummeln. Das wiederum gelingt dem Routinier ohne große Probleme.

Berührende Elegie

Die Camerata Salzburg setzt dann noch Tschaikowskis Serenade in C-Dur drauf und kehrt die sanfte Seite schön hervor, vor allem in der Élégie. Berührend, wie das Ensemble ins Pianissimo gleitet und zärtlich aus dem Nichts wieder hervorkriecht. In den schnelleren Sätzen aber legt es etwas zu viel Eile an den Tag: Das Klangbild wirkt wie mit einem Weichzeichner-Effekt behandelt, der die Konturen verschwimmen lässt.