Was für ein Klang! Das Kammerorchester Wien-Berlin lässt schon mit dem ersten Ton aufhorchen. Denn da ist viel frischer Wind unter der Leitung von Konzertmeister Rainer Honeck in diesem Divertimento in D-Dur, man wird von der ersten Sekunde an mitgerissen von der Noblesse, dem perfektionierten Zusammenspiel und der natürlichen Schwingung. Hier weiß jemand, wie dieser Komponist klingen soll, nämlich leichtfüßig und gehaltvoll.

Das ist ein glücklicher Zufall, denn an diesem Abend steht nichts anderes auf dem Programm. Beim Konzert für Violine und Orchester, ebenfalls in D-Dur, betritt die Star-Solistin die Bühne. Anne-Sophie Mutter grüßt lächelnd in die Runde und legt sofort los. Mit dichtem und durchgehendem Vibrato, an das man sich erst gewöhnen muss, steigt sie ein und zeigt im Laufe des Abends ihre Virtuosität und dass sie an Fingerfertigkeit in den 40 Jahren ihrer Karriere nichts eingebüßt hat.

Und dann gibt es wieder das Kammerorchester mit einer energiegeladenen Symphonie in Es-Dur. Die Celli treiben, die Geigen ziehen dahin, und man kippt gemeinsam in einen breiten, weichen Kontrastklang, stets in musikalischem Gleichschritt. Abschließend tritt erneut Mutter auf und zeigt sich bodenständiger als zuvor. Aber: Sind da leichte Bruchstellen in den Übergängen zu erkennen? Ist das Adagio des A-Dur-Konzerts KV 219 vielleicht etwas zu larmoyant? Mag sein. Doch die musikalische Perfektion der Gesamtheit - wie schön sie das Ende des zweiten Satzes hinhaucht - macht klar: Der sonntägige Muttertag, er könnte auch zu Ehren dieses Abends gefeiert werden.