Dieser Abend hätte auch ein ganz "normaler" Barock-Arienabend werden können. Nicht so bei Cecilia Bartoli. Zum Glück. Verdunkelte Lüster, violett eingefärbte Karyatiden, fidele Frühlingsfiedeln: Die Starsängerin mit dem bekannt durchdringenden Timbre bot zu ihrer Tournee mit den "Musiciens du Prince" dem Publikum im Goldenen Musikvereinssaal eine üppige Vivaldi-Show.

Zehn Arienperlen aus dem Oeuvre des barocken Opernvaters hatte sie parat, den konzertant-dramaturgischen Rahmen bot die geschmackvolle Interpretation der Vier Jahreszeiten durch das monegassische Prinzenensemble. Gerade noch zwitscherte das glückliche Vögelchen der "Silvia" in "Quell’augellin", der Ruggiero aus "Orlando furioso" gab sich mit der Flöte von Jean-Marc Goujon ein zauberhaftes Duett - attacca wütete die betrogene Zanaida aus "Agrippo" und "Farnace" erstarrte mit eiskaltem Blut. Dirigent Gianluca Capuano ließ dem Originalklangensemble der Starsängerin, finanziert aus Geldern der Fürstenfamilie von Monaco, keinerlei Misstöne durchgehen. Konzertmeister Andrés Gabetta sorgte mit dem Team für eine exzellent passende, spannungsgeladene Dynamik - die zauberhaften Übergänge zwischen Konzertstücken und Arien des extemporierenden Accompagnatos (Luca Quintavalle nahm am Cembalo Platz) erheiterten Publikum wie Musikerkollegen. So war Platz für Zugaben wie "Desterò dall‘ empia Dite" (aus "Melissa", dem einzigen Händel-Ausbrecher des Abends) als unterhaltsamem Wettstreit zwischen Sängerin, Pauken und Trompeten. Alles normal? Zum Glück nicht. Ovationen, Blumen, reichlich Dank.