Dieser Konzertabend war das probate Mittel gegen alle Arten von Wetterverdrießlichkeiten. Es begann bereits mit der sympathischen Verbeugung des Orchesters nach dem Auftrittsapplaus. Italienische Nonchalance tut einfach gut. Giovanni Antonini und sein Originalklangensemble Il Giardino Armonico zu Gast im Wiener Konzerthaus mit Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung". Der Dirigent betreut als musikalischer Leiter das Langzeitprojekt Hayn2032, das bis zum 300. Geburtstag des Komponisten alle 107 Symphonien zur Aufführung und Einspielung bringt. Für die "Schöpfung" - Haydns geniales und von ungeheurem Erfolg gekröntes Werk auf einen von Gottfried van Swieten bearbeiteten Text - brachte Antonini den Chor des Bayerischen Rundfunks mit. Die erlebte Chorklangkultur versetzte selbst das in Sachen Chor verwöhnte Wiener Publikum in Staunen. Verblüffend homogen, vielfarbig, elegant, präzise und mit wunderbarer Leichtigkeit präsentierten die Damen und Herren ihren Part. Florian Boesch bot eine famos eindrucksstarke Leistung. Nicht nur die von ihm besungenen Insekten und das Gewürm bleiben in Erinnerung. Anna Lucia Richter steigerte sich im Laufe des Abends und ließ ihren Sopran besonders als Eva im dritten Teil voll blühen. Klangschön Tenor Maximilian Schmitt, der dritte Solist im Bunde. Il Giardino Armonico setzte Joseph Haydns Partitur mit viel Plastizität und Empathie um. Unter einer herrlich stringenten, impulsiv federnden Leitung von Giovanni Antonini.