Starsopranistin Anna Netrebko gastierte in Wien. - © apa/Hochmuth
Starsopranistin Anna Netrebko gastierte in Wien. - © apa/Hochmuth

Schon mit ihrem ersten Ton hat Anna Netrebko das Publikum gewonnen. Ihre Stimme sitzt perfekt und geht von der ersten Sekunde an hinunter wie Honig. Oder besser: wie Champagner. Prickelnd und rund. Schließlich steht hier eine echte Diva auf der Bühne: Jeder Blick, jede Bewegung verheißt Eleganz und lässt nur das Beste gelten. Eine Arie aus "Aida" kommt Netrebko so locker und mit derartiger Perfektion über die Lippen, dass man sich fragt, wie sie das schafft. Nach "Ritorna vincitor!", dem wohl beeindruckendsten und gefühlvollsten Stück des Abends, klingt der Schatten ihrer Stimme noch einige Sekunden im Gedächtnis nach, bevor der tosende Applaus einsetzt.

Im zweiten Teil erscheint Netrebko in neuer Robe, um nichts weniger divenhaft, und singt zum Abschluss "Pace, pace, mio Dio" aus "La forza del destino". Intensiv, energisch bis zum Schluss und stets mit einem Hauch von Dramatik in ihrem Blick weckt sie vor allem eines: das Bedürfnis nach mehr.

Während der entspeckte Klang des Mariinski Orchesters bei
Verdi noch eigenwillig erscheinen kann (wenngleich er erfrischende Schärfe besitzt), ist er in der Suite aus Igor Strawinskis "Feuervogel" eindeutig am richtigen Platz. Glasklare Instrumentalisten, von den Blechbläsern, bei denen jede Note sitzt, über die Querflöte bis hin zum schneidigen Cello. Jeder Einzelteil ruht in sich und fügt sich geschmeidig in den Gesamtklang, aus dem immer wieder fulminante Spitzen herausragen.

Unter der Leitung von Valery Gergiev ist da nichts Abgerundetes, Verkitschendes (die Geigen halten sich mit Vibrato zurück), nur raue Schönheit, die aus geradliniger Ehrlichkeit entspringt.