Die äußeren Umstände waren günstig, familiär wie beruflich: Nach der Heirat mit der begehrten Alma Schindler kamen kurz hintereinander zwei Töchter zur Welt. Als Direktor der Wiener Hofoper hatte sich Gustav Mahler mittlerweile etabliert. Er galt als einer der besten Operndirigenten seiner Zeit. Inmitten dieser glücklichen Lebensphase entstand die Sechste Symphonie in a-Moll, die "Tragische". Wohl nicht grundlos.

Die Legenden sind reichhaltig rund um das viersätzige Werk. Mahler verzichtete auf Singstimmen, brachte eine beispiellose Schlagwerkabteilung zum Einsatz. Die beiden Hammerschläge im Finalsatz sind stets auch fürs Auge eine Besonderheit. Der ausführende Musiker des Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia - Roma erfüllte seine Aufgabe mit theaterreifer Präsenz. Die Gäste aus Rom präsentierten im Wiener Konzerthaus eine über weite Strecken sehr präzise gespielte Symphonie, die vor allem in grellen, aufpolierten Farben leuchtete. Sir Antonio Pappano dirigierte mit äußerster Hingabe und Vehemenz. 80 Minuten voll drängender Marschrhythmen, innig-sehnsüchtiger Passagen (schön die Konzertmeistersoli) und ätherischer Traumsequenzen, die wie im Flug vergingen. Und dennoch. Gustav Mahlers Musik ist tongewordene Entrückung. Herdenglocken und Celesta versus grimmig zuschlagendes Schicksal.

Die im Konzerthaus dargebotene Aufführung vermochte es nicht, das Herz zu berühren und bis ins Mark zu erschüttern.