Der diesjährige Gemischte Satz präsentiert sich in absoluter Dunkelheit. Dahinter steckt der Künstler Hans Schabus, der den abgedunkelten Saal als Bergwerk verstanden wissen will. Licht ab, Ton an also - und man serviere den Wein. Konzept des Festivals ist es ja, verschiedenste Sinneseindrücke, vielfältige Künste und unterschiedliche Musikrichtungen in einem engmaschigen Programm miteinander zu verschränken. Dass sich dafür Franz Schubert bestens eignet, wird schnell klar. Denn seine Lieder bieten gleichzeitig Projektionsfläche für klassische, volksmusikalische und rockige Auslegungen. Dreimal dasselbe Stück (Das Wirtshaus), dreimal erklingt es mit neuem Leben gefüllt. Erst in klassischer Manier (Florian Boesch), dann mit Wiener Lied-Flair (Strottern: "Sie miaßn’s aushoitn, uns is’ wurscht") und schließlich mit verzerrter Stimme und in Popgewand (Der Nino aus Wien).

In Klammern dazwischen steht die klare Stimme von Dörte Lyssewski, etwa mit einem launigen Text Elfriede Gerstls über Wien oder der Erklärung darüber, warum eine Schubert-Statue aus Schmalz sein muss. Doch es gibt auch Ausreißer an diesem Eröffnungsabend, wie Alexander Lonquich am Klavier, der Werke von Janacek oder Stefan Wolpe einstreut.

Dass es bei diesem Potpourri auch im Publikum zu unterschiedlichen Vorstellungen kommt, zeigt sich, als jemand Nino und Band zuruft, ob sie nicht "mit der Lautstärke a bisserl zurückgehn" könnten. Doch es wird verschmerzt und man darf ein Hoch auf den Rausch und die sinnliche Ekstase aussprechen. Ein gelungener Startschuss eines Gemischten Satzes, der mindestens drei Rufzeichen verlangt.