Philippe Jordan dirigierte die Wiener Symphoniker. - © Johannes Ifkovits
Philippe Jordan dirigierte die Wiener Symphoniker. - © Johannes Ifkovits

Dass Allmachtsfantasien der Sache nicht unbedingt förderlich sind, haben die letzten Tage ja zur Genüge gezeigt. Dass sie aber nicht nur in der Politik zu finden sind, zeigen Musikwerke, bei denen vor allem Überwältigung das Ziel ist. So war auch ein Hector Berlioz gegen derlei Gedanken nicht gefeit und wollte mit seinem Requiem, der "Grande Messe des Morts", nicht weniger als das größte je geschriebene Werk schaffen. "Gattung: Kolossal" notiert er dazu.

Dementsprechend gewaltig sollte der Orchesterapparat mit 18 Kontrabässen, zwölf Hörnern, vier Blechbläserensembles und acht Pauken sowie 210 Sängern sein. So groß dieses Werk auch ist, bleibt es gemessen an all den instrumentarischen Mitteln, die zur Verfügung stünden, eher zurückhaltend. Dementsprechend könnte man auch hier Feinheiten herausheben und einzelne Details herausarbeiten. Philippe Jordan gelingt dies im Ansatz. Der Chor, der Wiener Singverein, zeigt sich nuanciert und gut aufeinander abgestimmt, die Chorfugen gelingen schön, und wenn der Männerchor alleine singt, kommt Zartgefühl auf. Und auch die Wiener Symphoniker arbeiten großteils mit guter Dynamik und nutzen den Gestaltungsspielraum aus. Der Tenor Saimir Pirgu, ehemaliger Schützling von Luciano Pavarotti, legt einerseits viel Feingefühl an den Tag, steigert sich allerdings auch bis zur überzeichneten Dramatik. Leid und Verzweiflung werden greifbar, dennoch hätte es gesamt gesehen mehr gestalterische Kraft vertragen.