Die Auswahl war hervorragend. Wer kennt schon die abwechslungsreiche Vielfalt im vokalen Schaffen des Peter Iljitsch Tschaikowski? Etwas mehr als einhundert Lieder schrieb der russische Komponist. Die von Piotr Beczała und Helmut Deutsch präsentierte Zusammenstellung veranschaulichte die Bandbreite der in Musik gesetzten Texte und auch der verarbeiteten Einflüsse. Den Spielarten der Liebe gemäß war die Stimmungslage wechselnd. Zwischen frischem Birkenduft und weißgrauem Winter. Herrlich geschmeidig und mit pastosem Volumen ließ Piotr Beczała seine wunderschöne Stimme bei diesem in der russischen Originalsprache gesungenen Repertoire strömen. Liebevoll und sorgfältig kreierte Pianist Helmut Deutsch die dazugehörigen Szenerien. Der mit so viel Lenski-Erfahrung ausgestattete Tenor wirkte in der zweiten Konzerthälfte bei Tschaikowski um vieles gelöster als vor der Pause.

Ein Hauch von angespannter Konzentration durchzog die erste Hälfte dieses Abends im Brahms-Saal. Liedgesang ist und bleibt die Königsdisziplin, die alles unverhohlen zeigt: den Menschen hinter dem Künstler, die Risikobereitschaft, die momentane Verfassung. Piotr Beczała hatte sich für Kostbarkeiten von Franz Schubert entschieden. Sehr wortdeutlich, mit dosiertem Einsatz seiner dramatischen Kraft, aber auch mit vereinzelten Unsichserheiten gab der Opernsänger Beczała die Rolle des solistischen Gestalters. Nach vier gänzlich polnischen Zugaben dankbare Begeisterung.