Cecilia Bartoli und das Stabat Mater von Pergolesi - das ist nicht das Erste, was einem zusammen einfiele. Aber es zeichnet die Primadonna assoluta der Pfingstfestspiele aus, dass sie sich nicht nur von der Publikumssonne anstrahlen lässt. Gerne und mit Neugier experimentiert sie mit sich, mit ihrer Stimme und ihrem Repertoire.

So kam am Pfingstmontag Vormittag im Großen Saal des Mozarteums eine höchst aufschlussreiche Besetzungskonstellation heraus: Die Mezzosopranistin Bartoli hat die hohe Singstimme übernommen, Franco Fagioli die tiefere. Er gibt ihr mit seinem zu perlenden Koloraturen fähigen Countertenor eine virile Männerstimmen-Färbung. Das passiert nicht ohne Brüche, aber es bringt Optionen, das Expressive des Werks von Pergolesi, das meist eher im puren Schönklang ertrinkt, auszureizen. Fagioli liebäugelt dabei durchaus mit Manierismen, und das ist dem Stück, wie man erleben durfte, keineswegs abträgig.

Dazu die Cappella Gabetta (um den Geiger Andrés Gabetta). Dieses Grüppchen von Intensiv-Klangrednern, die sich in etwa so draufgängerisch gerieren wie die Leute von Il Giardino armonico vor drei Jahrzehnten, lässt niemals zwei und zwei gerade sein. Jede melodische Wendung, jede Akkord-Reibung wirkt ausgetestet, eingespannt in die Interpretations-Schraubzwinge und sehr gezielt zurechtgebogen. "Fac ut ardeat cor meum" - das Herz ist in dieser Interpretation nicht mit dem Zündholz in Brand gesetzt worden: ein kardiologischer Flächenbrand!