Es tut zwar wenig zur Sache, aber die Ähnlichkeit Maurizio Pollinis mit Freddie Frinton (bekannt als Butler James in "Dinner for One") ist dermaßen frappierend, dass man beim Bühnenauftritt des Pianisten insgeheim fürchtet, er würde über ein Tigerfell stolpern.

Das tut der Italiener freilich nicht, sondern setzt sich ohne Zögern an den Flügel, um sein Programm zu servieren, kaum dass es still ist im Saal. Die drei Intermezzi von Johannes Brahms als Aufwärmübung absolviert er im Stile eines Großmeisters: technisch einwandfrei und zügig. Ebenso geht es bei Schumanns "Concert sans Orchestre" weiter: forsch, ohne Töne schleifen zu lassen, die Läufe sicher in der Hand. Pollinis Spiel ist kräftig, einem guten schwarzen Kaffee vergleichbar. Diesen tischt der Pianist wohlgemerkt ohne Zucker auf: Da ist nur wenig Liebliches, wenig Süße, zudem bleibt er dynamisch stets im oberen Bereich. Dass er sich auf Ritardandi nur ungern einlässt, sondern darüber hinwegfegt, mag eine Alterserscheinung sein; ob dies der fehlenden Zeit geschuldet ist oder dem fehlenden Willen, sich den Werken ganz hinzugeben, darüber darf man spekulieren. Der Pianist Wilhelm Backhaus sagte zu dem Thema einst: "Je älter man wird, desto lächerlicher wird jedes Ritardando."

Bei den Chopin-Stücken der zweiten Konzerthälfte tut der fehlende Zucker dann eine wohltuende Wirkung. Pollini geht hier zudem etwas sanfter ans Werk. Das Publikum dankt es ihm mit Blumen und stehenden Ovationen.