Die Markenzeichen der Pianistin - © AFP
Die Markenzeichen der Pianistin - © AFP

Dieser zweite Satz: Ein aus Raum und Zeit gefallenes Traumgespinst. Hauchzart, ätherisch, von duftiger Intensität. Für einige Minuten war das Publikum im Großen Saal des Wiener Konzerthauses verzaubert und lauschte, wie intensiv und klangsinnlich Yuja Wang das Andante in Dmitri Schostakowitschs Zweitem Klavierkonzert spielte.

In diesem Moment waren jegliche Extravaganz der Künstlerin vergessen, die hautengen Minikleider, die gefährlich hohe Hacken, das lange Warten auf ihren Auftritt nach der Pause. Yuja Wang bestritt den Abschlussabend ihrer Porträtreihe mit gleich zwei Klavierkonzerten. Sowohl in Schostakowitschs Zweitem Klavierkonzert als auch in jenem für die linke Hand von Maurice Ravel kamen die enorme perkussive Stärke, die sportlich burschikose (sexy Imagepflege hin oder her) Herangehensweise und die technische Unbestechlichkeit der Pianistin perfekt zur Geltung. Drei Zugaben schenkte Wang dem begeisterten Publikum: eine Melodie von Gluck in der Fassung von Sgambati, Mozarts "Rondo alla turca" in einer zirkusmanegereifen Version von Wang und Volodos sowie ein "Lied ohne Worte" von Mendelssohn.

Auch wenn es danach den Anschein hatte, dass die Luft eigentlich ’raus sei, mit Maurice Ravels zweiter Zusammenstellung aus dem Ballett "Daphnis et Chloé" zog das Orchestre Philharmonique du Luxembourg unter der ausgezeichneten Leitung von Gustavo Gimeno noch einmal alle Aufmerksamkeit auf sich - wie bereits in der eröffnenden "Sturm"-Fantasie von Tschaikowski - mit Geschlossenheit, Feingefühl und Plastizität.