Zubin Mehta (hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 2015) ist ans Pult der Wiener Philharmoniker zurückgekehrt. - © afp/Joe Scarnici/Getty
Zubin Mehta (hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 2015) ist ans Pult der Wiener Philharmoniker zurückgekehrt. - © afp/Joe Scarnici/Getty

Zubin Mehta ist zurück. Und wie! Der mittlerweile 83-Jährige zeigt nach seiner schweren Krankheit wieder Tatendrang, der sich in Mozarts Symphonie in A-Dur in Liebreiz und Sanftmut offenbart. Da sind nur minimale Bewegungen des Maestros wahrnehmbar, der nicht durch Überwältigung triumphieren, sondern durch Ausgestaltung im feingewebten Bereich der Seele des jeweiligen Werks nachspüren möchte. So hält er die Wiener Philharmoniker auch in den drei Mozart-Arien, in denen der Countertenor Bejun Mehta (der Sohn seines Cousins) singt, vornehm zurück.

Überhaupt scheint Zurückhaltung ein Ansatz zu sein, und er schmälert keineswegs die Wirkung der Werke. Im Gegenteil: In Igor Strawinskis "Le Sacre du Printemps" zeigt das Orchester unter seiner minimalistischen Führung, wie reichhaltig und klangvoll die fein verwebten Einzelelemente zur Darstellung kommen können. In seinem wohldosiert gewählten Tempo liebkost er geradezu jeden Moment, verfolgt jede Linie bis sie erlischt und in eine andere Form übergeht. Nichts verschwimmt. Die Philharmoniker stehen ihm mit ihrem ganzen Wohlwollen zur Seite, ihr Klang lässt die freie Tonalität schillern, ihre Präzision die Rhythmik erbeben: Pure Intensität und Vitalität, die zeigt, dass man energiegeladen altern kann.

Das Leben, so scheint es, ist zu Mehta zurückgekehrt, und er verwandelt es gekonnt in Musik. Das ist beglückend. Und lässt einen ob der verhaltenen Reaktion seitens des Publikums doch auch verwundert zurück.