Sven-David Sandström. - © Eva Rudling/svendavidsandstrom.com
Sven-David Sandström. - © Eva Rudling/svendavidsandstrom.com

Sven-David Sandström ist, wie jetzt bekannt wurde, am 10. Juni 2019 gestorben. Sandström galt als der schwedische Gegenwarts-Komponist mit der größten internationalen Breitenwirkung.

Obwohl sich der Ruf des am 30. Oktober 1942 im schwedischen Motala geborenen Sandström zuletzt vor allem auf seine Vokalmusik gründet, hatte er seinen Durchbruch 1972 mit dem Orchesterwerk "Through and Through", das vom Concertgebouw-Orchester uraufgeführt wurde.

Sandström hatte Musikwissenschaft und Kunstgeschichte in
Stockholm studiert, ehe er ein Kompositionsstudium an der Königlichen Musikhochschule
Stockholm absolvierte, an der er dann von 1985 bis 1995 selbst als Professor für Komposition unterrichten sollte. 1984 erhielt er den
Musikpreis des Nordischen Rates für sein Requiem "De ur alla minnen
fallna".

Breite stilistische Palette

Ein wesentlicher Teil von Sandströms Chormusik ist religiös inspiriert. Der Komponist integrierte in seine Musik minimalistische Techniken und Jazz ebenso wie komplexe Strukturen und Klänge. Im zweiten Akt seiner Oper "Jeppe" singt der Chor auf Harmonien von Janis Joplin. Häufig begegnet man in Sandströms Werken auch der Tejano-Musik der mexikanischstämmigen Texaner. Dabei achtete Sandström in seinen Chorwerken stets auf gute Ausführbarkeit, wodurch seine Werke auch von guten Laienchören bewältigt werden können. Mitwirkende sagen oft, dass die Einstudierung von Werken Sandströms Freude macht, zumal Probenaufwand und Wirkung in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

Intensiv befasste sich Sandström mit der Musik des Barock. So komponierte er beispielsweise sechs Kantatentexte, die Bach verwendet hatte, neu, wobei er Bachs Strukturen übernahm. Auch den von Händel verwendeten "Messias"-Text komponierte Sandström neu - bei ihm wird das "Hallelujah" ein Brückenschlag zwischen Klangfächenstrukturen und swingenden Chören in gleichwohl barock inspirierter Kontrapunktik. (eb)