Dieser grollende Bass in der g-Moll-Rhapsodie: herrlich. Dabei war schon der Beginn der h-Moll-Rhapsodie von Johannes Brahms ein klingendes Versprechen für den gerade angebrochenen Abend: vollmundig, mächtig, mit größtmöglichem Überblick gespielt.

Emanuel Ax ist am 8. Juni 70 Jahre alt geworden. Für sein Geburtstagskonzert im Mozartsaal des Konzerthauses hat er ein stimmiges und gehaltvolles Programm zusammengestellt. Auf Brahms’ Opus 79 folgten George Benjamins "Piano Figures", zehn Petitessen, die vor knapp 15 Jahren für den Pianisten Pierre-Laurent Aimard entstanden mit stark pädagogischem Hintergrund. Ax schickte sein Publikum dann mit Robert Schumanns "Fantasiestücken" in die Pause.

Danach trat mit Maurice Ravels "Valses nobles et sentimentales" und einer feinen Chopin-Auswahl die Meisterschaft des Emanuel Ax noch deutlicher hervor, insbesondere die mannigfaltigen Möglichkeiten seiner Klangpalette. Der Künstler, der ursprünglich aus Lemberg stammt und heute in New York lebt und lehrt, ist ein Pianist der alten Schule, mit allen dazugehörigen positiven Eigenschaften: wohltuend unprätentiös, alle Stile mit Geschmack und Verstand beherrschend, durch und durch versiert. Spannungsbögen wölbt er elegant, Dynamik gestaltet er klug. Mit zwei Zugaben (Schumann und Chopin) beschenkte Ax das begeisterte Publikum, das sich seinerseits mit stehenden Ovationen bedankte.