Die Wettergötter spielten mit beim Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker, anstatt es zu verhageln: Drei Stunden vor Konzertbeginn noch ging ein Gewitter nieder, welches zwar die Kieswege im Schönbrunner Schlosspark kurzfristig unter Wasser setzte, aber den schwülen Abend angenehm abkühlte. Und erst gegen Ende des Konzerts zog der Wind wieder auf: Wolken, ferne Blitze und vereinzelte Regentropfen erinnerten daran, dass Open-Air-Konzerte immer auch der Gnade von oben bedürfen.
Das Orchester-schützende Klarsichtfolienzelt blähte sich, wankte und knarzte. Über den Köpfen der Musiker schwangen dazu die Mikrophone im Walzertakt. In der Trockenphase dazwischen fand nun die große Wiener Philharmoniker Sommernachtsshow statt, was sich 85.000 Zuschauer – ungefähr jeder 20. Wiener – nicht entgehen lassen wollten.
Musikalisch war eine amerikanische Linie für das Bonbon-Programm ausgegeben, mit österreichischen Tupfern und Querverbindungen. Das Beste von Leonard Bernstein mit seiner "Candide"-Overtüre zum Auftakt, welcher auf die Minute pünktlich von Dauerfeuerwerkskörper-Dirigent Gustavo Dudamel gegeben wurde. Dazu Effektives wie John Philip Sousas "Stars and Stripes Forever", der letzte Satz von Dvoráks Neunter Symphonie "Aus der Neuen Welt" (vom Kontext der ersten drei Sätze befreit noch mehr an "Der weiße Hai" erinnernd) und der Konzerthöhepunkt: Gerswhins "Rhapsody in Blue" mit Yuja Wang.
Die Veranstaltung mit einem klassischen Konzert zu verwechseln, vielleicht auf ein schwerfälliges "Adagio for Strings" von Samuel Barber oder den verzerrenden Wah-Wah-Effekt der schwingenden Mikrophone zu verweisen, wäre Themaverfehlung. Das Sommernachtskonzert ist eine Demonstration für den gesellschaftlichen Wert, den die Musikkultur in Wien hat. Das war es in beeindruckender Manier.