Die Stille, sie klingt anders nach dem Inferno. Sie ist von Schatten durchzogen, vom blassen Schaudern der grausamen Erinnerung. Und selbst wenn sich Bilder des friedlichen Davors vor die innere Linse schieben, so schaffen sie es nicht lange, das Grauen zu überdecken. Wie dieser Dreischritt vom Idyll in die Hölle und zurück ins fahle Nichts klingt, zeigte Teodor Currentzis bei den Salzburger Festspielen mit Dmitri Schostakowitschs Symphonie Nr. 7.

Im belagerten Leningrad 1941 komponiert schuf der Komponist dem Krieg eine schaurige Klangwelt - und setzte ein kraftvoll tönendes Zeichen gegen Faschismus. Die unerbittliche Dringlichkeit, die gleißende Klangekstase und der glühende Wille zum Durchhalten: Die dramatischen Passagen formte Currentzis mit seinem SWR Symphonieorchester in eindrucksvoller Kompaktheit. Dass er die Musiker dazu immer wieder stehend spielen ließ, war mehr Show- als Gestaltungselement. In den mittleren Sätzen zeigte Currentzis, dass er sich mit dem SWR eine beeindruckende Pianissimo-Kultur erarbeitet hat. Technisch mag dieser Gang eines Orchestergiganten auf Samtpfoten funktionieren, als Stilmittel erwies er sich am Freitag im Großen Festspielhaus allzu oft als Leerstelle. Immer wieder reduzierte der Dirigent das musikalische Geschehen, doch statt einer lohnenden Zeitlupenstudie, die einen Moment auf ihre Essenz destilliert, schuf Currentzis lediglich Inseln der Langatmigkeit, über denen der dramaturgische Bogen immer wieder abriss. Frenetischen Jubel gab es trotzdem.