Begeisterte Salzburg als Adriana: Anna Netrebko. - © Kirk Edwards
Begeisterte Salzburg als Adriana: Anna Netrebko. - © Kirk Edwards

Netrebko und konzertant sind zwei einander ausschließende Welten. Jeder Auftritt der Sopranistin ist ein szenischer, zu sehr sind Gesang, Gestaltung und Gestik in einander verwoben. So geriet auch die konzertante Aufführung von Francesco Cileas 1902 uraufgeführter Oper "Adriana Lecouvreur" am Sonntag zur beinahe vollwertigen Opernaufführung. Im Mittelpunkt standen dabei große, größere und noch größere Stimmen.

Anna Netrebko überstrahlte in der Titelpartie der gefeierten Schauspielerin Adriana alle und alles, wurde schon nach der Auftrittsarie stürmisch bejubelt und steigerte sich an Intensität von Szene zu Szene. Wie es ihr dabei gelang, in einem Atemzug den Bogen von größter Dramatik bis zu feinster Lyrik zu spannen, innezuhalten und sich noch einmal zu steigern, ist beeindruckend. Ihr Sopran ist in den dunklen Farben noch reifer geworden, besitzt aber nach wie vor über diese silbrig flirrenden, flexiblen Höhen. In der Kombination von nuancenreicher Stimmführung, wandelfähiger Expressivität und einem Reichtum an Klangfarben ist Netrebko schon seit Jahren eine Klasse für sich.

Ihr Ehemann Yusif Eyvazov mag über eine ähnlich große Stimme verfügen, zeigte als Adrianas Liebe Maurizio jedoch, dass sein metallischer Tenor ein sehr bescheidenes Spektrum an Schmelz und Farben hat. Sie alle an die Wand sang - zumindest was das Volumen angeht - der georgische Mezzo Anita Rachvelishvili. Als Adriana vergiftende fürstliche Gegenspielerin beeindruckte sie mit einer imposanten Tiefe, die die Dimensionen des Festspielhauses zu sprengen drohte. Ihr Mezzo ist opulent und schillernd, etwas mehr Führung schadete ihm nicht. Die sehr guten Leistungen von Nicola Alaimo (Michonnet) und Mika Kares (Fürst) schmälerten diese drei Stimmgiganten nicht.

Marco Armiliato am Pult des engagierten Mozarteumorchesters Salzburg stellte sich ganz in den Dienst der Sänger und trug sie mit Verve und Esprit durch diesen bejubelten Opernabend.