Der Tod, der in Mussorgskijs Liedern und Tänzen des Todes unter anderem zum Trepak lädt, hat auch ganz andere Tanzschritte parat. Dmitri Schostakowitsch lässt ihn in seiner Symphonie Nr. 14 unter anderem eine Taverne besuchen, und da schwingt der Sensenmann sein Gerät auch im Walzertakt. Zwischen Gespensterhaftigkeit und Aggression wechselt der Tonfall in dieser 1969 uraufgeführten Lied-Symphonie für Kammerorchester und zwei Singstimmen zu. Samstag und Montag war der symphonische Totentanz Großen Festspielhaus zu hören, mit den Wiener Philharmonikern unter Franz Welser-Möst, mit Asmik Grigorian und Matthias Goerne als Gesangssolisten.

Auch auffallend und der Dramaturgie geschuldet: Nicht mit der Klangüppigkeit der Strauss’schen Tondichtung "Tod und Verklärung" hat man die Zuhörer zum Mittagessen geschickt. Die war schon, wie Wagners "Parsifal"-Vorspiel, vor der Pause dran. In den Tag mitgenommen hat man den pointiert kammermusikalischen Streichersatz des Schostakowitsch-Werks, dem Franz Welser-Möst mit einer nur 19-köpfigen Streichercrew der Wiener Philharmoniker strukturelle Klarheit, aber auch viel Wärme und - bei allem sachlichen zugang - gehörige Emotion mitzugeben wusste.

Keine Überraschung in der ersten Konzerthälfte: dass die Philharmoniker absolut eins sind mit Welser-Möst, wenn es um Wagner und Richard Strauss geht. Schon eine Überraschung: dass man das "Parsifal"-Vorspiel und "Tod und Verklärung" fugenlos aneinanderbinden kann und man darin nicht den leisesten Bruch empfindet.