Es waren wüste Pasticcio-Programme, die das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Yannick Nézet-Séguin an diesem Wochenende bei den Salzburger Festspielen hat hören lassen. Immerhin: Die Fünfte von Schostakowitsch und zwei Tage später das Zweite Violinkonzert von Sergej Prokofjew waren ein aufschlussreiches Nebeneinander.

Yannick Nézet-Séguin stellte Prokofjew und Schostakowitsch gegenüber. - © Hans van der Woerd
Yannick Nézet-Séguin stellte Prokofjew und Schostakowitsch gegenüber. - © Hans van der Woerd

Schostakowitsch hatte, nachdem die Repressionen der Zensur bedrohliche Formen angenommen hatten, mit seiner Fünften Symphonie (zu hören am Freitagabend) eine verklausulierte Anklage ans Regime geschrieben - die Parabel auf das drangsalierte Individuum in einer Form, der die Kunstrichter der Stalin-Zeit nichts anhaben konnten. In etwa zur selben Zeit plante Sergej Prokofjew nach zwanzig Jahren im Westen die Rückkehr in die Sowjetunion. Mit seinem Violinkonzert g-Moll op. 63 schlug er mit einer eingängigeren Tonsprache zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens war es ein Auftragswerk für einen französischen Geiger, dem er damit ein repertoiretaugliches Vorzeigestück in die Finger schrieb. Und den Kunstschergen des sozialistischen Realismus war das durchaus Joviale dieser Musik auch sehr willkommen. Gil Shaham war der Solist im Vormittagskonzert am Sonntag im Großen Festspielhaus, ein Musiker mit einem ganz wunderbar leuchtkräftigen, süßlichen Geigenton, der aber nicht sehr wandelbar ist.

Vor und nach Prokofjew hörte man Musik, in der Nézet-Séguin seinem Temperament freien Lauf ließ, sprich: Das Knallen ist seine Sache. Entsprechend handfest ist zum Schluss Strauss‘ "Rosenkavalier-Suite" rübergekommen, als ein kompakter Ohrendurchputzer.

Aber das war gar nichts gegen die erste Konzerthälfte, mit der Ersten Symphonie von Jan Sibelius. Da ging’s, zack, zack, zack, von Fortissimo zu Fortissimo. Übrigens auch zwei Tage zuvor in Beethovens Zweiter Symphonie.