Evgeny Kissin eröffnete sein Salzburger Solistenkonzert, das er ausschließlich Werken Beethovens widmete, mit der Pathétique. Er ist’s von der sportiven Seite her angegangen. Wirklich rasant in den Ecksätzen, klar und bündig, so gut wie ohne Rubati. Da kommt kein Pathos auf. Aber auch andere Attribute fallen einem spontan nicht ein zu dieser Wiedergabe.

Nach der Pause "Der Sturm" und die "Waldstein-Sonate". Im ersten Fall dachte man eher an die Ruhe vor dem Sturm, so spannungslos gerieten im Kopfsatz die Largo-Inseln. Der "Waldstein-Sonate" ist die motorische Kraft quasi eingeschrieben. Das funktioniert, auch wenn der Klavierspieler keine großen Überlegungen darein investiert.

Kissin war noch nie der große Nachdenker an den Tasten. Er lässt die Dinge gerne laufen. Ins Grübeln kommt er eigentlich gar nie. Das tut man eher als Zuhörer. Mehrmals wurden ja in den vergangenen Tagen bei den Salzburger Festspielen kleine Dinge von Beethoven in der pianistischen Höhensonne ausgeleuchtet. Da war Grigori Sokolov mit einer Bagatellen-Folge oder Igor Levit mit den Diabelli-Variationen. Im unmittelbaren Vergleich hat Evgeny Kissin mit den "Eroica-Variationen" gestalterisch so gut wie nichts anzubieten. Federnd lässt er das Bassmotiv aufsteigen, er hämmert recht trotzig, aber dann recht einförmig die drei markanten Akkorde hin. Gefinkelte Dramaturgie ist Kissins Sache nicht, die fünfzehn Veränderungen des Themas aus dem Finalsatz der Dritten Symphonie (zuerst waren die Variationen) fädelt er wie Perlen an einen Faden: Ein Pianist unterwegs auf der Schnurgeraden.