Man muss schon ein wenig die grauen Zellen beschäftigen, wenn man ein Stück für Kammermusikbesetzung, begleitet von zwei Klavieren finden will. Fündig geworden sind Martha Argerich und Daniel Barenboim für ihr Salzburger Festspiel-Kammerkonzert am Donnerstag bei Schumann.

Urig, dieses Andante mit Variationen für zwei Klaviere, zwei Violoncelli und Horn: Es grummelt zwanzig Minuten in tiefer Lage dahin. Das eine Klavier (Daniel Barenboim) hat die Celli meist exklusiv an seiner Seite, dann wird übergeben ans andere Tasteninstrument (Martha Argerich), und dann drängt sich zwischen die Celli das Horn hinein, nicht selten mit kräftigen Signalen. Eher weniger mischt das Blasinstrument bei der Lyrik der beiden Streicher mit. Robert Schumann sprach von seinem Stück als einer "etwas zärtlichen Pflanze" - und das wollen wir auch für diese Wiedergabe in Salzburg so stehen lassen. Ein Leichtgewicht, aber immerhin eine Rarität sondergleichen.

Umso bekannter der Rest des Programms, den Martha Argerich und stimmführende Streicher des West-Eastern Divan Orchestra verantworteten. An der Ersten Geige Michael Barenboim. Das Klavierquintett Es-Dur op. 44 gehört zum Geläufigsten für diese Besetzung. Zu Martha Argerichs Schumann-Spiel ist gut Geige spielen, so verwandelten sie und Michael Barenboim Schumanns Violinsonate Nr. 1 a-Moll op. 105, vor allem deren Allegretto-Satz, nicht in ein Lied ohne Worte, sondern in eine gestaltreich-anschauliche Kurzgeschichte ohne Worte. Der reißerische Auftakt: Prokofjews Ouvertüre über hebräische Themen für Klarinette, Streichquartett und Klavier: Da kann eigentlich nichts schief gehen, wenn man einen Klezmer-geeichten Klarinettisten (Jussef Eisa) und die Argerich an den Tasten hat.